Die Planung der Finanzen rund um die Geburt ist für viele Eltern eine emotionale Achterbahnfahrt. Man rechnet, plant und hofft, dass alles nahtlos ineinandergreift. Doch die Realität in den deutschen Amtsstuben kann ernüchternd sein. Die Wartezeit auf das Elterngeld wird oft zum "schwarzen Loch" der Familienplanung. Man hat alles abgegeben, hört aber wochenlang nichts. Diese Ungewissheit belastet nicht nur das Bankkonto, sondern auch die Nerven in einer Zeit, in der man eigentlich die Kennenlernzeit mit dem Baby genießen sollte.
In der Theorie klingen die Versprechen der Politik oft nach schneller, digitaler Bearbeitung. In der Realität des Jahres 2026 zeigt sich jedoch ein sehr differenziertes Bild. Während einige Elterngeldstellen Anträge innerhalb weniger Wochen abarbeiten, warten Eltern in Ballungszentren wie Berlin oder Teilen von NRW teils monatelang auf ihren Bescheid. Dieser "Postleitzahlen-Faktor" ist ungerecht, aber leider gelebte Praxis.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen realistischen Überblick über die aktuellen Bearbeitungszeiten nach Bundesland, erklärt die Hintergründe der Verzögerungen und zeigt Ihnen, wie Sie selbst aktiv dazu beitragen können, dass Ihr Antrag schneller bearbeitet wird. Wir beleuchten dabei auch die rechtlichen Möglichkeiten, die Sie haben, wenn die Behörde schlichtweg nicht reagiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bundesweit zwischen 4 und 8 Wochen.
- Es gibt extreme regionale Unterschiede: Bayern und Sachsen sind oft schnell (4-7 Wochen), Berlin meldet teils 10-14 Wochen.
- Ein unvollständiger Antrag ist der "Zeitkiller" Nummer eins und kann die Bearbeitung um Monate verzögern.
- Sie können Elterngeld nur für die letzten 3 Lebensmonate vor dem Antragsmonat rückwirkend erhalten (§ 7 Abs. 1 Satz 2 BEEG).
- Seit Mai 2025 können Sie den Antrag in Textform (z.B. per E-Mail) stellen, und viele Daten werden automatisch abgerufen.
- Bei finanziellen Engpässen können Sie einen Vorschuss beantragen (§ 42 SGB I) – die Gewährung liegt im Ermessen der Behörde.
1. Der Status Quo 2026: Was ist "normal"?#
Wenn wir über die Bearbeitungszeit beim Elterngeld sprechen, müssen wir zwischen zwei Zeitspannen unterscheiden: der Zeit bis zum Erhalt des schriftlichen Bescheids und der Zeit bis zur tatsächlichen ersten Auszahlung auf Ihr Konto.
Im Jahr 2026 hat sich die Situation durch die weitere Digitalisierung zwar stabilisiert, aber der Fachkräftemangel in den Behörden bleibt ein Nadelöhr. Im Durchschnitt sollten Sie mit 6 bis 7 Wochen kalkulieren. Alles unter 4 Wochen gilt als außergewöhnlich schnell, alles über 10 Wochen als verzögert. In ländlichen Regionen geht es oft signifikant schneller als in den überlasteten Ämtern der Großstädte.
Was hat sich seit Mai 2025 geändert?#
Mit dem vierten Bürokratieentlastungsgesetz wurden für Geburten ab 1. Mai 2025 wichtige Vereinfachungen eingeführt:
- Anträge in Textform: Sie können den Elterngeldantrag nun per E-Mail oder über Online-Portale stellen – die Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift ist nicht mehr zwingend erforderlich.
- Automatisierter Datenabruf: Die Elterngeldstellen können Geburtsdaten direkt beim Standesamt abrufen. Die Original-Geburtsbescheinigung "Für Elterngeld" muss in vielen Fällen nicht mehr beigelegt werden.
- Vereinfachung für Selbstständige: Die Einkommensermittlung wurde an die Regelungen für Angestellte angeglichen, was die Bearbeitung beschleunigen kann.
Warum dauert es überhaupt so lange?#
Die Elterngeldstelle prüft nicht nur, ob Sie ein Kind bekommen haben. Sie gleicht Einkommensdaten der letzten 12 Monate ab, prüft Mutterschaftsgeldbezüge, Krankenkassendaten und – bei Selbstständigen – komplexe Steuerunterlagen. Jeder dieser Schritte erfordert oft Rückfragen bei anderen Behörden oder dem Arbeitgeber. 2026 kommen vermehrt automatisierte Abgleiche mit dem Finanzamt zum Einsatz, doch bei kleinsten Unstimmigkeiten springt das System auf "manuelle Prüfung" um – und dann landet der Fall auf dem Schreibtisch eines ohnehin schon überlasteten Sachbearbeiters.
2. Bearbeitungszeiten nach Bundesland: Der große Vergleich#
Die Zuständigkeit für das Elterngeld liegt bei den Bundesländern. Das führt zu einer "Postleitzahlen-Lotterie". Während die Kriterien für den Anspruch bundeseinheitlich sind, unterscheiden sich die Software-Systeme, die Personalausstattung und die Arbeitsweise der Elterngeldstellen massiv. In Stadtstaaten wie Berlin oder Hamburg kämpfen die Ämter oft mit einer höheren Fluktuation und komplexeren Fallkonstellationen als in Flächenländern.
Hier ist eine Übersicht der aktuellen Durchschnittswerte für 2026 (Werte basieren auf Rückmeldungen von Eltern, internen Daten des Elterngeld Zentrums und Behördenstatistiken):
| Bundesland | Durchschnittliche Dauer | Tendenz 2026 |
|---|---|---|
| Bayern | 4 - 7 Wochen | Stabil / Effizient |
| Baden-Württemberg | 5 - 8 Wochen | Leicht verbessert |
| Berlin | 8 - 14 Wochen | Kritisch / Hohe Volatilität |
| Brandenburg | 6 - 10 Wochen | Stabil |
| Bremen | 7 - 11 Wochen | Schwankend |
| Hamburg | 6 - 9 Wochen | Stabil |
| Hessen | 5 - 9 Wochen | Stabil |
| Mecklenburg-Vorpommern | 4 - 7 Wochen | Sehr gut |
| Niedersachsen | 6 - 10 Wochen | Leicht verschlechtert |
| NRW (Nordrhein-Westfalen) | 7 - 12 Wochen | Stark belastet / Regional verschieden |
| Rheinland-Pfalz | 5 - 8 Wochen | Stabil |
| Saarland | 4 - 7 Wochen | Gut |
| Sachsen | 4 - 7 Wochen | Sehr gut / Digitaler Vorreiter |
| Sachsen-Anhalt | 5 - 8 Wochen | Stabil |
| Schleswig-Holstein | 6 - 9 Wochen | Stabil |
| Thüringen | 5 - 8 Wochen | Stabil |
Großstadt-Faktor: Innerhalb von NRW kann es beispielsweise sein, dass Sie in einer kleineren Gemeinde im Münsterland nur 5 Wochen warten, während Sie in Köln oder Düsseldorf mit 10 Wochen oder mehr rechnen müssen. Die Tabelle zeigt daher den gewichteten Landesdurchschnitt.
3. Die 6 größten Faktoren für die Dauer Ihres Antrags#
Warum bekommt Ihre Nachbarin den Bescheid nach 3 Wochen, während Sie seit 2 Monaten warten? Oft liegt es an Details, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, aber den Prüfaufwand vervielfachen.
1. Vollständigkeit der Unterlagen (Der absolute Zeitfresser)#
Sobald ein Sachbearbeiter die Akte öffnen muss, feststellt, dass die Geburtsurkunde oder die letzte Lohnbescheinigung fehlt, und Ihnen einen Brief schreiben muss, wandert Ihr Antrag zurück ans Ende des Stapels. Ein einziger fehlender Wisch kann die Bearbeitung um 3 bis 5 Wochen nach hinten werfen. Denn: Der Sachbearbeiter fasst Ihren Fall erst wieder an, wenn die Post mit der Nachreichung auf seinem Tisch landet – und das kann dauern.
2. Art des Einkommens: Angestellt vs. Selbstständig#
- Angestellte: Die Prüfung ist weitgehend routinebasiert. Die Lohnbescheinigungen sind standardisiert und oft können die Daten automatisiert validiert werden.
- Selbstständige: Hier beginnt die Detektivarbeit. Die Elterngeldstelle muss den Gewinn ermitteln. Da der Steuerbescheid für das Jahr vor der Geburt oft noch nicht vorliegt, müssen Einnahmen-Überschuss-Rechnungen (EÜR) oder betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) geprüft werden. Das erfordert spezielles Know-how und Zeit. Rechnen Sie hier pauschal mit 4 Wochen zusätzlich.
- Mischfälle: Wer nebenbei ein Kleingewerbe betreibt, gilt für die Elterngeldstelle als Selbstständiger. Das bedeutet: Der gesamte Prüfprozess verlangsamt sich massiv, selbst wenn der Gewinn aus der Selbstständigkeit minimal ist.
3. Der "Januar-Effekt" und saisonale Schwankungen#
Die Geburtenraten in Deutschland sind nicht über das Jahr gleich verteilt. Zudem führen Urlaubszeiten in den Behörden (Sommerferien, Brückentage, Weihnachten) zu einem Bearbeitungsstau. Wenn Ihr Kind in einem "geburtenstarken" Monat wie Juli oder August zur Welt kommt, trifft Ihr Antrag auf eine urlaubsbedingt dünn besetzte Behörde. Das Ergebnis: Die Wartezeit verlängert sich spürbar. Auch der Jahreswechsel ist kritisch, da viele Behörden dann IT-Umstellungen vornehmen.
4. Digitale Einreichung vs. Postweg#
2026 ist die digitale Beantragung der Goldstandard. Ein digitaler Antrag wird oft schon beim Absenden auf Plausibilität geprüft. Fehler wie vergessene Unterschriften (per digitaler Signatur oder BundID gelöst) werden so vermieden. Ein Papierantrag hingegen muss erst in der Poststelle erfasst, gescannt und ggf. händisch ins System übertragen werden. Dieser Medienbruch kostet wertvolle Tage. In Bundesländern wie Sachsen werden digitale Anträge teils automatisiert vorverarbeitet, was die Zeit halbiert.
5. Komplexität der gewählten Monate#
Wer einen einfachen Antrag stellt (z.B. Mutter 12 Monate Basiselterngeld), ist schnell durch. Wer jedoch Splittings zwischen Basiselterngeld und ElterngeldPlus nutzt, Partnerschaftsbonus-Monate für beide Elternteile zu unterschiedlichen Zeiten einplant und vielleicht noch während des Bezugs in Teilzeit arbeitet, erhöht die Komplexität. Jeder Wechsel der Bezugsart muss einzeln berechnet werden. Das ist kein Grund, auf Ihr Geld zu verzichten, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sachbearbeiter genauer hinschauen muss.
6. Auslandsbezug und Grenzgänger#
Wenn ein Elternteil im Ausland arbeitet oder aus einem Nicht-EU-Land kommt, müssen oft zwischenstaatliche Abkommen geprüft werden. Hier kommunizieren Behörden über Landesgrenzen hinweg. Das ist der Endgegner der schnellen Bearbeitung – hier sind Wartezeiten von 4 bis 6 Monaten in Extremfällen leider keine Seltenheit. Oft müssen Dokumente erst übersetzt oder apostilliert werden, was weitere Verzögerungen nach sich zieht.
4. Digitale Bearbeitung: Der Retter in der Not?#
Im Jahr 2026 hat sich "Elterngeld Digital" weitestgehend durchgesetzt. Doch was bedeutet "digitale Bearbeitung" eigentlich für Sie?
Früher bedeutete digital nur, dass man ein PDF am Bildschirm ausfüllen konnte. Heute sind die Systeme in vielen Bundesländern (wie Bayern, Sachsen oder Hessen) so weit, dass die Daten direkt in die Berechnungssoftware der Sachbearbeiter fließen.
Die Vorteile der digitalen Beantragung:
- Plausibilitätsprüfung: Das System meckert sofort, wenn ein Datum unlogisch ist.
- Sofortiger Eingangsstempel: Sie haben sofort einen Nachweis für die Fristwahrung.
- Nachreich-Funktion: Fehlende Dokumente können oft per Drag-and-Drop im Portal hochgeladen werden, ohne Postweg.
Dennoch: Digital heißt nicht "automatisch". Hinter jedem digitalen Antrag sitzt immer noch ein Mensch, der die finalen Dokumente (wie die Geburtsbescheinigung) prüfen muss. Die Zeitersparnis liegt daher eher bei 1 bis 2 Wochen, nicht bei Monaten.
5. Der Lifecycle eines Antrags: Was passiert hinter den Kulissen?#
Es hilft, den Prozess zu verstehen, um die Wartezeit besser auszuhalten. Hier ist der typische Weg Ihres Antrags durch die Behörde:
- Erfassung: Ihr Antrag kommt an. Er wird mit einem Zeitstempel versehen. Das ist wichtig für die Wahrung von Fristen.
- Vorprüfung: Ein Mitarbeiter prüft die "Hürden". Ist der Antrag unterschrieben? Ist die Geburtsbescheinigung im Original (oder digital verifiziert) dabei? Wenn nein: Stopp und Rückfrage.
- Einkommensermittlung: Das Herzstück. Der Sachbearbeiter prüft jedes einzelne der 12 Monate vor der Geburt. Gab es Einmalzahlungen? Wurde Mutterschaftsgeld bezahlt? Diese Daten müssen oft mit Meldungen der Krankenkasse abgeglichen werden.
- Berechnung des Anspruchs: Das System wirft eine Summe aus. Diese muss der Sachbearbeiter händisch validieren.
- Qualitätssicherung: Nach der Freigabe (oft durch einen zweiten Vorgesetzten) wird der Bescheid generiert.
- Postlauf: Der Bescheid geht in die Poststelle. Rechnen Sie hier mit 2-3 Tagen, bis der Brief bei Ihnen ist.
- Zahlung: Die Daten gehen an die Kasse. Die erste Auszahlung erfolgt meist gebündelt für alle bereits vergangenen Lebensmonate.
6. Status checken: Wie erfahre ich, wie weit mein Antrag ist?#
Die Ungewissheit ist für viele Eltern das Schlimmste. Leider sind die Möglichkeiten zur Statusabfrage begrenzt.
- Online-Portale: Wenn Sie digital beantragt haben, bieten einige Portale eine Statusanzeige (z.B. "In Bearbeitung", "Abgeschlossen").
- Telefonische Nachfrage: In der Regel ist es nicht sinnvoll, vor Ablauf von 6 Wochen anzurufen. Die Sachbearbeiter verbringen sonst mehr Zeit am Telefon als mit der Bearbeitung. Wenn Sie anrufen, halten Sie Ihr Aktenzeichen (falls vorhanden) oder Ihr Geburtsdatum bereit.
- E-Mail: Oft die bessere Wahl, da die Anfrage intern an den zuständigen Bearbeiter weitergeleitet werden kann, ohne ihn bei der Arbeit zu unterbrechen.
Vorsicht: Zu häufiges Nachfragen kann kontraproduktiv sein. In manchen Stellen werden Anträge bei jeder Nachfrage erneut aus dem Stapel gezogen, was den Prozess intern nicht beschleunigt. Einmal im Monat nachzufragen, ist jedoch völlig legitim, wenn die genannte Frist verstrichen ist.
7. Die 3-Lebensmonate-Regel: Warum Sie nicht warten dürfen#
Elterngeld wird nur für die letzten 3 Lebensmonate vor Beginn des Antragsmonats rückwirkend gezahlt (§ 7 Abs. 1 Satz 2 BEEG). Das ist eine der wichtigsten Fristen im gesamten Verfahren.
Wichtig: Die Frist bezieht sich auf die Lebensmonate des Kindes, nicht auf Kalendermonate. Ein Lebensmonat beginnt immer am Geburtstag des Kindes und endet am Tag vor dem nächsten "Monatstag".
Ein Beispiel: Ihr Kind wurde am 10. Januar geboren. Die Lebensmonate laufen so:
-
- Lebensmonat: 10. Januar – 9. Februar
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- Lebensmonat: 10. Februar – 9. März
-
- Lebensmonat: 10. März – 9. April
-
- Lebensmonat: 10. April – 9. Mai
Wenn Sie den Antrag im 5. Lebensmonat stellen (z.B. am 15. Mai), erhalten Sie Elterngeld rückwirkend nur noch ab dem 2. Lebensmonat. Der 1. Lebensmonat wäre verloren – das können je nach Einkommen 1.800 Euro oder mehr sein.
Der Profi-Tipp: "Mut zur Lücke"#
Warten Sie nicht mit der Abgabe, nur weil Ihnen noch eine Bescheinigung fehlt (z.B. der finale Bescheid der Krankenkasse oder eine Lohnabrechnung). Reichen Sie den Antrag sofort nach der Geburt mit den vorhandenen Unterlagen ein. Das wahrt die Frist. Die fehlenden Dokumente können Sie nachreichen. Die Elterngeldstelle wird Sie ohnehin dazu auffordern, aber Ihr Platz in der Warteschlange ist gesichert.
8. Wann kommt die erste Auszahlung?#
Der Bescheid im Briefkasten bedeutet noch nicht, dass das Geld am selben Tag auf dem Konto ist.
In der Regel wird das Elterngeld monatlich im Nachhinein oder zum Beginn des jeweiligen Lebensmonats gezahlt (das variiert je nach Bundesland leicht). Sobald der Bescheid erstellt ist, dauert die technische Überweisung meist 3 bis 5 Werktage.
Wichtig: Die erste Zahlung ist oft eine Nachzahlung für mehrere Monate. Wenn die Bearbeitung 3 Monate gedauert hat, erhalten Sie auf einen Schlag das Geld für drei Lebensmonate. Planen Sie Ihre Finanzen so, dass Sie mindestens 2 bis 3 Monate ohne Elterngeld überbrücken können. Ein finanzielles Polster ist hier die beste Beruhigung für die erste Zeit mit Baby.
9. Was tun, wenn es extrem lange dauert (über 3 Monate)?#
Wenn Ihr Antrag seit mehr als 12 Wochen unbearbeitet liegt und Sie keine Rückmeldung erhalten haben, stehen Ihnen mehrere Wege offen:
1. Sachstandsanfrage stellen#
Schreiben Sie einen formellen Brief (Einschreiben) und bitten Sie unter Fristsetzung (z.B. 14 Tage) um Auskunft über den Bearbeitungsstand. Fragen Sie konkret nach, ob noch Unterlagen fehlen oder woran die Verzögerung liegt.
2. Vorschuss beantragen (§ 42 SGB I)#
Gemäß § 42 SGB I können Sozialleistungsempfänger einen Vorschuss verlangen, wenn:
- Ein Anspruch auf Geldleistungen dem Grunde nach besteht, und
- die Feststellung der genauen Höhe voraussichtlich längere Zeit erfordert.
Konkret: Wenn Sie den Vorschuss beantragen, muss die Behörde spätestens nach Ablauf eines Kalendermonats nach Ihrem Antrag mit der Zahlung beginnen. Der Vorschuss wird später mit dem endgültigen Elterngeld verrechnet.
Rechtliche Einordnung: Die Anwendbarkeit von § 42 SGB I auf Elterngeld ist unter Juristen nicht unumstritten, da das BEEG als Spezialgesetz gilt. Viele Elterngeldstellen gewähren jedoch in der Praxis Vorschüsse bei nachgewiesener finanzieller Notlage. Ein Antrag ist daher einen Versuch wert – besonders wenn Sie die finanzielle Dringlichkeit glaubhaft darlegen können.
So beantragen Sie den Vorschuss: Schreiben Sie der Elterngeldstelle, dass Sie gemäß § 42 SGB I einen Vorschuss auf Ihr Elterngeld beantragen, da die Bearbeitungszeit bereits [Anzahl Wochen] beträgt und Sie auf die Zahlung dringend angewiesen sind. Legen Sie die Geburtsurkunde bei, falls noch nicht geschehen, und schildern Sie kurz Ihre finanzielle Situation.
3. Die Untätigkeitsklage (§ 88 SGG)#
Dies ist das letzte Mittel. Sie kann erst nach 6 Monaten Untätigkeit der Behörde erhoben werden (§ 88 Abs. 1 Satz 1 SGG). Bei einem Widerspruch beträgt die Frist 3 Monate (§ 88 Abs. 2 SGG).
Die Untätigkeitsklage zwingt die Behörde nicht zu einer bestimmten Entscheidung, aber sie zwingt sie, überhaupt zu entscheiden. In der Praxis führt allein die schriftliche Androhung einer Untätigkeitsklage oft dazu, dass der Antrag plötzlich ganz oben auf dem Stapel liegt.
Vor der Klage: Setzen Sie der Behörde schriftlich eine letzte Frist (z.B. 2 Wochen) und weisen Sie darauf hin, dass Sie nach Ablauf Untätigkeitsklage erheben werden. Oft reicht dieser "Warnschuss" bereits aus.
10. Checkliste für eine schnellere Bearbeitung#
Damit Sie nicht zu den Eltern gehören, die 12 Wochen warten, beachten Sie diese Punkte:
- Digital beantragen: Nutzen Sie Elterngeld Digital oder das landesspezifische Online-Portal.
- Lückenlose Lohnnachweise: Reichen Sie die letzten 12 Lohnabrechnungen vor dem Mutterschutz (bzw. vor der Geburt beim Vater) lückenlos ein.
- Krankenkassen-Bescheid: Legen Sie den Bescheid über das Mutterschaftsgeld bei (oft erst nach der Geburt verfügbar).
- Arbeitgeber-Bescheinigung: Viele Elterngeldstellen haben eigene Formulare für den Arbeitgeber zur Bestätigung der Elternzeit. Nutzen Sie diese, um Rückfragen zu vermeiden!
- Klarheit im Antrag: Vermeiden Sie händische Korrekturen oder unleserliche Schrift auf Papierformularen.
- Telefonnummer angeben: Geben Sie für Rückfragen Ihre Mobilnummer an. Ein kurzer Anruf des Sachbearbeiters spart oft zwei Wochen Postweg für eine einfache Frage.
Häufig gestellte Fragen
Frage: Beschleunigt ein Anwalt oder ein Beratungsservice die Bearbeitung? Antwort: Ein Berater kann nicht "zaubern", aber er stellt sicher, dass der Antrag beim ersten Mal zu 100% korrekt und vollständig eingereicht wird. Das verhindert die zeitraubenden Rückfragen und Korrekturschleifen, die für 80% aller Verzögerungen verantwortlich sind. Zudem wissen wir genau, welche Behörde welche speziellen Anforderungen hat.
Frage: Spielt es eine Rolle, ob ich Basiselterngeld oder ElterngeldPlus wähle? Antwort: Rein für die Dauer der ersten Bearbeitung spielt das kaum eine Rolle. ElterngeldPlus erfordert lediglich eine Prognose über den Zuverdienst, was minimal aufwendiger in der Prüfung ist, wenn Sie parallel arbeiten.
Frage: Mein Partner ist Ausländer, dauert es dann länger? Antwort: Ja, meistens. Hier muss oft der aufenthaltsrechtliche Status geprüft werden (Aufenthaltstitel, Erwerbstätigkeit erlaubt?). Das erfordert oft eine interne Rückfrage bei der Ausländerbehörde oder eine genauere Sichtung der Pässe, was die Zeit um 2-4 Wochen verlängern kann.
Frage: Wird das Geld immer am 1. des Monats gezahlt? Antwort: Nein. Elterngeld richtet sich nach den Lebensmonaten des Kindes. Wenn Ihr Kind am 15. geboren wurde, beginnt ein neuer Lebensmonat immer am 15. Die Auszahlung erfolgt meist um diesen Dreh herum.
Frage: Kann ich den Antrag schon vor der Geburt stellen? Antwort: Nein. Sie können ihn vorbereiten, aber abschicken können Sie ihn erst, wenn das Kind da ist, da Sie die Geburtsbescheinigung benötigen. Aber: Sie sollten ihn am besten am Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus absenden.
Fazit: Geduld ist gut, Vorbereitung ist besser#
Die Bearbeitungszeiten beim Elterngeld sind 2026 nach wie vor eine Herausforderung für die Familienplanung. Rechnen Sie im Schnitt mit zwei Monaten, bis das erste Geld fließt. In Bundesländern wie Bayern oder Sachsen geht es oft schneller, in Metropolen wie Berlin brauchen Sie einen längeren Atem.
Der größte Hebel, den Sie haben, ist die Qualität Ihres Antrags. Ein fehlerfreier, digital eingereichter Antrag mit allen Anhängen ist die beste Versicherung gegen monatelanges Warten. Sehen Sie den Antrag als Ihr wichtigstes Projekt in der ersten Zeit nach der Geburt an – oder geben Sie es in professionelle Hände.
Möchten Sie sichergehen, dass Ihr Antrag sofort genehmigt wird?
Unser Antragsservice vom Elterngeld Zentrum übernimmt die komplette Vorbereitung für Sie. Wir prüfen Ihre Unterlagen auf Herz und Nieren, optimieren Ihre Bezugsmonate für maximale Auszahlung und sorgen dafür, dass die Elterngeldstelle keine Rückfragen stellen muss. So kommen Sie garantiert am schnellsten zu Ihrem Geld und können sich voll und ganz auf Ihr Baby konzentrieren.