Inhalt8 Abschnitte
- Was zählt als Mutterschaftsleistung?
- Wird Mutterschaftsgeld auf das Elterngeld angerechnet?
- Warum die Monate trotzdem als Basiselterngeld zählen
- Tagesgenau statt monatsweise: So läuft die Verrechnung
- Mutterschaftsgeld für ein anderes Kind: Der 300-Euro-Freibetrag greift wieder
- Was jetzt zu tun ist
- Häufige Fragen
- Quellen und Stand
Nadine bekommt ihr erstes Kind im Frühjahr und wundert sich über ihren ersten Bescheid: Statt der erwarteten 1.560 € Elterngeld für den ersten Lebensmonat stehen dort nur ein paar hundert Euro. Kein Fehler der Elterngeldstelle, sondern eine feste Regel: Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss werden zuerst verrechnet, und zwar tagesgenau.
Das Wichtigste in Kürze
- Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss werden für dasselbe Kind vollständig auf das Elterngeld angerechnet, ohne Freibetrag (§ 3 Abs. 1 und 2 BEEG).
- Die Verrechnung läuft tagesgenau, nicht monatsweise: endet die Mutterschutzfrist mitten im Lebensmonat, gibt es für die restlichen Tage anteiliges Elterngeld.
- Lebensmonate mit Mutterschaftsleistungen zählen automatisch als Basiselterngeld-Monate, auch ohne eigenen Antrag – ElterngeldPlus oder Partnerschaftsbonus sind in diesen Monaten für dich nicht möglich.
- Läuft parallel noch Elterngeld für ein älteres Kind, bleiben davon mindestens 300 € Basiselterngeld oder 150 € ElterngeldPlus pro Monat von der Anrechnung frei.
- Das einmalige Mutterschaftsgeld bis 210 € vom Bundesamt für Soziale Sicherung (für nicht gesetzlich Versicherte) wird nicht angerechnet.
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Erstgespräch buchenWas zählt als Mutterschaftsleistung?#
Mutterschaftsleistungen sind mehrere Zahlungen, die während der Mutterschutzfristen vor und nach der Geburt zusammen dein Einkommen ersetzen. Für das Elterngeld zählen dabei zwei Beträge zusammen: das Mutterschaftsgeld deiner gesetzlichen Krankenkasse (höchstens 13 € pro Kalendertag, § 24i SGB V) und der Arbeitgeberzuschuss, den dein Arbeitgeber für die Zeit der Mutterschutzfristen zahlt (§ 20 MuSchG). Der Zuschuss gleicht die Differenz zwischen den 13 € und deinem durchschnittlichen kalendertäglichen Nettoentgelt der letzten drei abgerechneten Monate vor Beginn der Schutzfrist aus, sodass du während des Mutterschutzes in Summe dein bisheriges Netto weiterbekommst. Beamtinnen erhalten stattdessen ihre Dienst- und Anwärterbezüge für die Zeit des Beschäftigungsverbots weiter (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BEEG); für das Elterngeld gilt dieselbe Anrechnungsregel wie für Mutterschaftsgeld und Zuschuss.
Eine Ausnahme gibt es: Bist du nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, kannst du beim Bundesamt für Soziale Sicherung ein einmaliges Mutterschaftsgeld von höchstens 210 € beantragen (§ 19 Abs. 2 MuSchG). Dieser Betrag ist im Gesetz ausdrücklich von der Anrechnung auf das Elterngeld ausgenommen (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchstabe a BEEG) und bleibt dir zusätzlich erhalten.
Endet dein Beschäftigungsverhältnis durch eine Kündigung während der Schutzfristen, ändert das an der Anrechnung nichts: Mutterschaftsgeld und Zuschuss laufen dann über die zuständige Stelle beziehungsweise die Krankenkasse weiter (§ 19 Abs. 1 MuSchG und § 20 Abs. 3 MuSchG), und beide werden weiterhin auf dein Elterngeld angerechnet, als wärst du noch beschäftigt.
Wird Mutterschaftsgeld auf das Elterngeld angerechnet?#
Ja: Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss, die dir ab dem Tag der Geburt deines Kindes zustehen, werden vollständig auf das Elterngeld für genau dieses Kind angerechnet (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BEEG). Der Grund ist der gleiche Zweck beider Leistungen: Beide sollen dein wegfallendes Einkommen nach der Geburt ersetzen, und dasselbe Einkommen soll nicht doppelt ersetzt werden.
Anders als bei den meisten anderen anrechenbaren Einnahmen gibt es hier keinen Freibetrag: Der sonst übliche Mindestbetrag von 300 € (600 € bei Zwillingen, entsprechend mehr bei weiteren Mehrlingen) greift ausdrücklich nicht, wenn Mutterschaftsleistungen für dasselbe Kind angerechnet werden (§ 3 Abs. 2 BEEG). In der Praxis bedeutet das:
- Sind Mutterschaftsgeld und Zuschuss höher als dein Elterngeld, bekommst du in diesen Tagen nur die Mutterschaftsleistungen.
- Ist dein Elterngeld höher, zahlt dir die Elterngeldstelle zusätzlich zu den Mutterschaftsleistungen die Differenz als Elterngeld aus.
Warum die Monate trotzdem als Basiselterngeld zählen#
Ein Effekt überrascht viele Eltern: Lebensmonate, in denen dir Mutterschaftsgeld, Zuschuss oder Beamtenbezüge für dieses Kind zustehen, gelten für dich automatisch als Basiselterngeld-Monate – unabhängig davon, ob du für diese Monate überhaupt einen Antrag gestellt hast (§ 4 Abs. 4 Satz 3 BEEG). In diesen Monaten kannst du weder ElterngeldPlus noch den Partnerschaftsbonus beziehen, weil der Lebensmonat dadurch bereits als Basiselterngeld-Monat gilt.
Betroffen sind in der Regel die ersten zwei bis drei Lebensmonate: Die Mutterschutzfrist nach der Geburt dauert acht Wochen, bei Frühgeburten, Mehrlingsgeburten und einer bereits vor Ablauf der acht Wochen ärztlich festgestellten Behinderung des Kindes zwölf Wochen (§ 3 Abs. 2 MuSchG). Wer Zwillinge oder mehr erwartet, plant diesen längeren Zeitraum am besten direkt in die eigene Elterngeldplanung bei Mehrlingen ein.
Tagesgenau statt monatsweise: So läuft die Verrechnung#
Mutterschaftsgeld wird tageweise berechnet, deshalb erfolgt auch die Anrechnung auf das Elterngeld tagesgenau (§ 3 Abs. 1 Satz 2 BEEG). Stehen dir die Mutterschaftsleistungen nur für einen Teil eines Lebensmonats zu, wird nur dieser Teil deines Elterngelds verrechnet. Für die restlichen Tage des Lebensmonats bekommst du anteiliges Elterngeld.
- Geburtstermin
- 14. April 2027
- Ende der Mutterschutzfrist (8 Wochen)
- 9. Juni 2027
- 2. Lebensmonat
- 14. Mai bis 13. Juni 2027
- Tage im 2. Lebensmonat ohne Mutterschaftsleistungen
- 10. bis 13. Juni, 4 Tage
- Basiselterngeld ohne Anrechnung
- 1.200 € (40 € pro Tag)
Vereinfachtes Beispiel. Angenommen ist ein errechneter Betrag von 1.200 € Basiselterngeld pro Monat, umgerechnet mit einem Dreißigstel pro Tag. Bis zum 9. Juni zahlen Krankenkasse und Arbeitgeber; erst für die letzten vier Tage des zweiten Lebensmonats zahlt zusätzlich die Elterngeldstelle. Dein tatsächlicher Betrag hängt von deinem individuellen Bemessungszeitraum und deiner Mutterschutzfrist ab.
Ab dem dritten Lebensmonat bekommst du in diesem Beispiel dann das volle Basiselterngeld ohne weitere Anrechnung, weil die Mutterschutzfrist bereits abgelaufen ist. Wechselst du danach zu ElterngeldPlus, gilt das erst ab dem Lebensmonat, in dem keine Mutterschaftsleistungen mehr zustehen: Für die angerechneten Monate selbst bleibt es beim Basiselterngeld.
Mutterschaftsgeld für ein anderes Kind: Der 300-Euro-Freibetrag greift wieder#
Wirst du erneut schwanger, während du noch Elterngeld für dein älteres Kind beziehst, gilt eine andere Regel. Für das jüngere Kind selbst greift weiterhin die volle Anrechnung ohne Freibetrag, sobald dafür Elterngeld läuft. Für das ältere Kind dagegen werden die Mutterschaftsleistungen nur als Ersatz für dein Erwerbseinkommen angerechnet, nicht als Mutterschaftsleistung für genau dieses Kind (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 BEEG). Der Mindestbetrag bleibt dann erhalten: mindestens 300 € Basiselterngeld oder 150 € ElterngeldPlus im Monat für das ältere Kind sind von der Anrechnung frei (§ 3 Abs. 2, § 4a Abs. 2 Satz 3 Nr. 4 BEEG).
| Situation | Anrechnung auf das Elterngeld | Freibetrag |
|---|---|---|
| Mutterschaftsleistungen für dasselbe Kind | Vollständig, tagesgenau | Kein Freibetrag |
| Mutterschaftsleistungen für ein jüngeres Kind, während Elterngeld fürs ältere Kind läuft | Nur teilweise, als Ersatz für Erwerbseinkommen | Mindestens 300 € Basis- bzw. 150 € ElterngeldPlus bleiben frei |
| Einmaliges Mutterschaftsgeld vom Bundesamt (bis 210 €) | Keine Anrechnung | Voller Betrag zusätzlich |
Was jetzt zu tun ist#
- Fordere deinen Mutterschaftsgeldbescheid und die Zuschussbescheinigung deines Arbeitgebers an, sobald deine Mutterschutzfrist beginnt. Beide Nachweise braucht die Elterngeldstelle für die Verrechnung.
- Beantrage Basiselterngeld auch für die ersten Lebensmonate, selbst wenn du wegen der Anrechnung wenig oder keine Auszahlung erwartest. Die Monate zählen ohnehin, ein Antrag sichert dir eine mögliche Differenz.
- Prüfe die Dauer deiner Mutterschutzfrist: acht Wochen im Regelfall, zwölf Wochen bei Frühgeburt, Mehrlingsgeburt oder früh festgestellter Behinderung des Kindes. Danach beginnt das volle Basiselterngeld ohne Anrechnung.
- Plane bei einem zweiten Bezug parallel frühzeitig, wie sich neue Mutterschaftsleistungen auf das laufende Elterngeld für das ältere Kind auswirken, damit der 300-Euro-Freibetrag nicht ungenutzt bleibt.
- Stimme ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus erst für die Monate nach der Mutterschutzfrist ab, weil beide in den angerechneten Monaten ohnehin nicht möglich sind.
Die Elterngeldstelle beantwortet Fragen zur Anrechnung kostenlos, entscheidet aber nicht für dich, welche Monatswahl sich lohnt. Genau das rechnen wir als private Beratung mit dir durch, im kostenlosen Erstgespräch oder in einer Beratung.
Häufige Fragen
Wird das einmalige Mutterschaftsgeld vom Bundesamt für Soziale Sicherung angerechnet?
Nein. Das Mutterschaftsgeld nach § 19 Abs. 2 MuSchG, das nicht gesetzlich krankenversicherte Frauen auf Antrag vom Bundesamt für Soziale Sicherung erhalten (höchstens 210 €), ist ausdrücklich von der Anrechnung ausgenommen (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchstabe a BEEG).
Bekomme ich in den ersten Lebensmonaten überhaupt noch Elterngeld ausgezahlt?
Nur, wenn dein Elterngeld höher ist als Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss zusammen. Dann zahlt die Elterngeldstelle die Differenz aus. Sind die Mutterschaftsleistungen höher, erhältst du für diese Tage nur sie, aber der Lebensmonat zählt trotzdem als Basiselterngeld-Monat.
Muss ich für die Monate mit Mutterschaftsgeld trotzdem Elterngeld beantragen?
Ja, das lohnt sich fast immer. Die Monate gelten ohnehin als Basiselterngeld-Monate, egal ob du sie beantragst. Stellst du keinen Antrag, verschenkst du eine mögliche Differenzzahlung und musst die Monate später ohne Ausgleich als verbraucht hinnehmen.
Wirkt sich mein Mutterschaftsgeld auf das Elterngeld meines Partners oder meiner Partnerin aus?
Nein. Die Anrechnung betrifft nur deine eigenen Elterngeldmonate. Der andere Elternteil kann seine Basiselterngeld-, ElterngeldPlus- oder Partnerschaftsbonus-Monate unabhängig davon planen.
Was passiert, wenn ich während des Elterngeldbezugs für ein älteres Kind erneut Mutterschaftsgeld bekomme?
Die Mutterschaftsleistungen fürs jüngere Kind werden dann nur auf einen Teil des Elterngelds für das ältere Kind angerechnet: Mindestens 300 € Basiselterngeld oder 150 € ElterngeldPlus im Monat bleiben von der Anrechnung frei (§ 3 Abs. 2, § 4a Abs. 2 Satz 3 Nr. 4 BEEG).
Wie hoch sind Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss maximal?
Das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkasse beträgt höchstens 13 € pro Kalendertag (§ 24i SGB V). Verdienst du mehr, zahlt dein Arbeitgeber die Differenz zu deinem durchschnittlichen Nettogehalt als Zuschuss (§ 20 MuSchG), sodass du in Summe dein bisheriges Nettoeinkommen weiterbekommst.
Quellen und Stand
Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.
- § 3 BEEG: Anrechnung von anderen Einnahmen – Gesetze im Internet
- § 4 BEEG: Bezugsdauer, Anspruchsumfang – Gesetze im Internet
- § 4a BEEG: Berechnung von Basiselterngeld und Elterngeld Plus – Gesetze im Internet
- § 19 MuSchG: Mutterschaftsgeld – Gesetze im Internet
- § 20 MuSchG: Zuschuss zum Mutterschaftsgeld – Gesetze im Internet
- § 24i SGB V: Mutterschaftsgeld – Gesetze im Internet
- Familienportal des Bundes: Kann ich Elterngeld und Mutterschaftsleistungen bekommen?


