Zum Hauptinhalt springenDirekt zum HauptinhaltGute Nachricht14 Monate Elterngeld bleiben

Elterngeld und Unterhalt: Wann zählt es als Einkommen?

Schuldest du deinem minderjährigen Kind oder einem privilegierten volljährigen Kind bis 21 Jahre Unterhalt, zählt dein gesamtes Elterngeld als Einkommen. Schuldest du einer anderen Person Unterhalt, etwa deinem Ex-Partner, bleiben 300 € vom Basiselterngeld bzw. 150 € vom ElterngeldPlus anrechnungsfrei (§ 11 BEEG). Bei Mehrlingen vervielfacht sich der Freibetrag mit der Kinderzahl.

Stand September 20267 Min. Lesezeit3 amtliche Quellen

Eine Schwangere steht im Kinderzimmer neben dem Babybett
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Inhalt8 Abschnitte
  1. Zählt Elterngeld als Einkommen beim Unterhalt?
  2. Unterhalt für dein Kind: Wann zählt das Elterngeld komplett?
  3. Unterhalt für andere Personen: Was bleibt anrechnungsfrei?
  4. Was Mehrlinge für den Freibetrag bedeuten
  5. Ausnahmen: Wann der Freibetrag trotzdem nicht gilt
  6. Was jetzt zu tun ist
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen und Stand

Tobias bezieht Elterngeld für seine Tochter und zahlt gleichzeitig Unterhalt an seine Ex-Partnerin, mit der er einen erwachsenen Sohn hat. Er fragt sich, ob sein Elterngeld die Unterhaltsberechnung in voller Höhe erhöht oder ob ein Teil davon außen vor bleibt. Die Antwort hängt allein davon ab, wem er Unterhalt schuldet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterhalt für ein minderjähriges Kind: Das komplette Elterngeld zählt als Einkommen, ohne Freibetrag.
  • Auch privilegierte volljährige Kinder zählen dazu: unverheiratet, unter 21 Jahre, im Haushalt eines Elternteils lebend und in allgemeiner Schulausbildung.
  • Unterhalt für andere Personen wie Ex-Partner oder nicht privilegierte volljährige Kinder: 300 € vom Basiselterngeld beziehungsweise 150 € vom ElterngeldPlus bleiben anrechnungsfrei (§ 11 BEEG).
  • Bei Zwillingen verdoppelt sich der Freibetrag, bei Drillingen verdreifacht er sich.
  • In eng begrenzten Ausnahmefällen, etwa bei grob unbilligen Unterhaltsansprüchen, entfällt der Freibetrag auch bei anderen Personen wieder.

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Zählt Elterngeld als Einkommen beim Unterhalt?#

Ja, Elterngeld zählt grundsätzlich als Einkommen für die Unterhaltsberechnung, aber wie viel davon angerechnet wird, hängt von der Art deiner Unterhaltspflicht ab (§ 11 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, kurz BEEG). Das Gesetz unterscheidet nur zwei Fälle: Unterhalt für ein minderjähriges oder ein diesem gleichgestelltes volljähriges Kind auf der einen Seite, Unterhalt für jede andere Person auf der anderen. Auf die Höhe deines Elterngelds oder darauf, wie du es beziehst, kommt es dabei nicht an.

Diese Unterscheidung betrifft ausschließlich die Unterhaltsberechnung. Für die Elterngeldstelle selbst spielt es keine Rolle, wem du Unterhalt zahlst, sie prüft dein Elterngeld unabhängig davon. Wer den konkreten Unterhaltsbetrag berechnet und ob sich eine Neuberechnung lohnt, ist eine familienrechtliche Frage, die über das Elterngeld hinausgeht.

Unterhalt für dein Kind: Wann zählt das Elterngeld komplett?#

Bist du deinem minderjährigen Kind gegenüber unterhaltspflichtig, zählt dein gesamtes Elterngeld als Einkommen, ohne jeden Freibetrag. Das Gesetz nimmt hier die sogenannte gesteigerte Unterhaltspflicht gegenüber Kindern aus (§ 11 Satz 4 BEEG in Verbindung mit § 1603 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB): Eltern müssen alle verfügbaren Mittel gleichmäßig für sich und ihre minderjährigen Kinder einsetzen, und dazu gehört das komplette Elterngeld.

Diese strengere Regel gilt nicht nur für minderjährige Kinder. Sie erfasst auch volljährige, unverheiratete Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, wenn sie noch im Haushalt eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden, etwa in der gymnasialen Oberstufe. Solche Kinder gelten als „privilegiert volljährig“ und werden beim Unterhalt wie minderjährige Kinder behandelt. Ein volljähriges Kind, das bereits ausgezogen ist oder eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, fällt dagegen nicht mehr unter diese Regel und damit unter die Kategorie „andere Personen“.

Diese Ausnahme greift ausnahmslos, auch beim Mindestbetrag von 300 € Elterngeld. Es gibt hier keinen Puffer und keine Bagatellgrenze.

Unterhalt für andere Personen: Was bleibt anrechnungsfrei?#

Schuldest du einer anderen Person als einem minderjährigen oder privilegierten Kind Unterhalt, bleibt ein Teil deines Elterngelds anrechnungsfrei. Das betrifft zum Beispiel Ehepartner, getrennt lebende oder geschiedene Partner, Eltern oder ein volljähriges Kind, das nicht mehr privilegiert ist.

Der anrechnungsfreie Betrag hängt davon ab, welche Elterngeldvariante du beziehst:

Elterngeldvariante Anrechnungsfreier Betrag pro Monat Rechtsgrundlage
Basiselterngeld 300 € § 11 Satz 1 BEEG
ElterngeldPlus 150 € § 11 Satz 2 BEEG

Nur der Betrag, der über diesen Freibetrag hinausgeht, zählt als Einkommen für die Unterhaltsberechnung. Welche Variante du wählst, wirkt sich also nicht nur auf die Höhe und Dauer deines Elterngelds aus, sondern auch auf deinen Unterhalt.

Für die Unterhaltsberechnung genügt in der Regel dein Elterngeldbescheid als Nachweis über die Höhe und die Variante deines Elterngelds. Beziehst du gleichzeitig Erwerbseinkommen, zum Beispiel aus Teilzeitarbeit während des ElterngeldPlus-Bezugs, kommt dieses Einkommen zusätzlich zum angerechneten Elterngeldanteil hinzu. Läuft dein Elterngeld nur vorläufig, weil dein Teilzeiteinkommen bei der Antragstellung noch nicht feststand, kann sich der endgültige Betrag nach der Abrechnung noch ändern, und mit ihm der Betrag, der in die Unterhaltsberechnung einfließt.

Tobias: Unterhalt an seine Ex-PartnerinVereinfachtes Beispiel
Basiselterngeld pro Monat
1.200 €
Unterhaltsberechtigte Person
Ex-Partnerin, kein gemeinsames minderjähriges Kind
Anrechnungsfreier Betrag
300 €
Als Einkommen für den Unterhalt zählen900 €

Vereinfachtes Beispiel. Annahme: Tobias bezieht 1.200 € Basiselterngeld und ist niemandem minderjährigem oder privilegiert volljährigem gegenüber unterhaltspflichtig. Weiteres Einkommen aus Erwerbstätigkeit oder Vermögen bleibt hier unberücksichtigt, es würde in der echten Unterhaltsberechnung hinzukommen.

Für seine Tochter, mit der Tobias in einem Haushalt lebt, stellt sich diese Frage nicht, sie ist keine unterhaltsberechtigte Person ihm gegenüber, solange sie bei ihm wohnt. Für seinen volljährigen Sohn käme es darauf an, ob der noch privilegiert ist oder nicht.

Was Mehrlinge für den Freibetrag bedeuten#

Bei einer Mehrlingsgeburt vervielfacht sich der anrechnungsfreie Betrag mit der Zahl der geborenen Kinder (§ 11 Satz 3 BEEG). Das gilt unabhängig davon, ob du für ein einzelnes Kind aus der Mehrlingsgeburt oder für andere Personen Unterhalt schuldest, solange der Freibetrag überhaupt greift.

Geburt Freibetrag Basiselterngeld Freibetrag ElterngeldPlus
Einzelkind 300 € 150 €
Zwillinge 600 € 300 €
Drillinge 900 € 450 €

Wichtig ist: Diese Vervielfachung betrifft nur den Freibetrag bei „anderen Personen“. Schuldest du einem minderjährigen oder privilegierten Kind Unterhalt, gibt es weiterhin keinen Freibetrag, egal wie viele Kinder bei der Geburt zur Welt kamen.

Ausnahmen: Wann der Freibetrag trotzdem nicht gilt#

Auch bei Unterhalt für andere Personen fällt der Freibetrag in eng begrenzten Fällen weg. Das Gesetz nimmt Fälle aus, in denen der Unterhaltsanspruch selbst wegen grober Unbilligkeit beschränkt, versagt oder zeitlich begrenzt werden kann (§ 1579, § 1611 Abs. 1 BGB) sowie den entsprechenden Fall beim Trennungsunterhalt (§ 1361 Abs. 3 BGB). Das betrifft zum Beispiel Ehen von sehr kurzer Dauer oder ein schwerwiegendes Fehlverhalten der unterhaltsberechtigten Person gegenüber dem Unterhaltspflichtigen.

Diese Fälle sind selten und hängen stark vom Einzelfall ab. Ob sie bei dir greifen, ist eine familienrechtliche Frage, die ein Fachanwalt oder das Familiengericht beurteilt, nicht die Elterngeldstelle und nicht wir. Die Elterngeldstelle entscheidet ausschließlich über dein Elterngeld selbst, kostenlos und unabhängig von deinen Unterhaltspflichten. Wie sich dein Elterngeld auf deinen konkreten Unterhaltsfall auswirkt, rechnen wir als private Beratung mit dir durch, ohne dass wir dabei eine familienrechtliche Beratung ersetzen.

Wenn du unsicher bist, wie sich dein persönliches Elterngeld überhaupt zusammensetzt, lohnt sich vorab ein Blick in unseren Artikel zur Berechnung deines Elterngeld-Nettos. Wie Basiselterngeld und ElterngeldPlus sich sonst unterscheiden, erfährst du in den jeweiligen Ratgebern. Anders als beim Freibetrag beim Bürgergeld kommt es beim Unterhalt also nicht auf deine vorherige Erwerbstätigkeit an, sondern allein auf die Art deiner Unterhaltspflicht.

Was jetzt zu tun ist#

  1. Kläre zuerst, wem du Unterhalt schuldest: einem minderjährigen Kind, einem privilegierten volljährigen Kind, oder einer anderen Person.
  2. Prüfe bei einem volljährigen Kind die drei Voraussetzungen: unverheiratet, unter 21 Jahre, im Haushalt eines Elternteils lebend und in allgemeiner Schulausbildung.
  3. Rechne den anrechnungsfreien Betrag heraus, wenn du einer anderen Person Unterhalt schuldest: 300 € beim Basiselterngeld, 150 € beim ElterngeldPlus, vervielfacht bei Mehrlingen.
  4. Wäge Basiselterngeld gegen ElterngeldPlus ab, bevor du den Antrag stellst, weil sich der Freibetrag zwischen beiden Varianten unterscheidet.
  5. Kläre offene familienrechtliche Fragen mit einem Fachanwalt, wenn eine der eng begrenzten Ausnahmen bei dir infrage kommt.

Für die genaue Höhe deines Unterhalts bleibt am Ende das Familienrecht zuständig, für die Frage, wie viel Elterngeld du dafür überhaupt zur Verfügung hast, rechnen wir gern mit dir.

Häufige Fragen

Zählt das Elterngeld bei der Unterhaltsberechnung für mein Kind komplett mit?

Ja, wenn es sich um ein minderjähriges Kind handelt oder um ein unverheiratetes Kind bis 21 Jahre, das noch bei einem Elternteil lebt und die allgemeine Schule besucht. In diesen Fällen gibt es nach § 11 BEEG keinen Freibetrag.

Wie hoch ist der Freibetrag beim Unterhalt für meinen Ex-Partner?

300 € vom Basiselterngeld und 150 € vom ElterngeldPlus bleiben anrechnungsfrei, wenn du einer anderen Person als einem minderjährigen oder privilegierten Kind Unterhalt schuldest (§ 11 Satz 1 und 2 BEEG).

Gilt der Freibetrag auch bei Zwillingen oder Drillingen?

Ja, die Beträge vervielfachen sich mit der Zahl der bei der Mehrlingsgeburt geborenen Kinder. Bei Zwillingen sind es also 600 € beim Basiselterngeld, bei Drillingen 900 €.

Zählt auch der Mindestbetrag von 300 € Elterngeld als Einkommen?

Beim minderjährigen oder privilegierten Kind ja, ohne Ausnahme. Bei anderen unterhaltsberechtigten Personen deckt der Freibetrag von 300 € den Mindestbetrag beim Basiselterngeld in der Regel vollständig ab, sodass nichts als Einkommen übrig bleibt.

Wirkt sich ElterngeldPlus anders auf den Unterhalt aus als Basiselterngeld?

Der Freibetrag ist mit 150 € niedriger, weil ElterngeldPlus selbst nur halb so hoch ausfällt wie Basiselterngeld ohne Einkommen. In Summe kann trotzdem weniger angerechnet werden, weil der Betrag über mehr Monate verteilt ist.

Was gilt, wenn mein volljähriges Kind noch zur Schule geht und bei mir wohnt?

Dann gilt es unter bestimmten Voraussetzungen als privilegiert und wird beim Unterhalt wie ein minderjähriges Kind behandelt: unverheiratet, unter 21 Jahre, im Haushalt eines Elternteils lebend und in allgemeiner Schulausbildung (§ 1603 Abs. 2 BGB). Dann zählt dein Elterngeld ohne Freibetrag.

Quellen und Stand

Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.

Was bedeutet das für deine Situation?

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welche Angaben für deinen Fall wichtig sind und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

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