Inhalt10 Abschnitte
- Elterngeld-Bemessungszeitraum: Was bedeutet das?
- Welche zwölf Monate zählen bei angestellter Arbeit?
- Welche Monate klammert die Elterngeldstelle aus?
- Wie sich der Bemessungszeitraum durch das Ausklammern verschiebt
- Wann lohnt sich der Verzicht auf das Ausklammern?
- Bemessungszeitraum bei Selbstständigen und Mischeinkünften
- Warum die Nachweise für den richtigen Zeitraum entscheidend sind
- Was jetzt zu tun ist
- Häufige Fragen
- Quellen und Stand
Aylins Kind kommt Mitte Mai, und sie versteht nicht, warum die Elterngeldstelle nicht einfach die zwölf Monate vor der Geburt nimmt. Denn die letzten Wochen vor dem Termin verbringt sie im Mutterschutz, und genau diese Monate zählen nicht automatisch mit. Das kann den Bemessungszeitraum um mehrere Monate verschieben – und damit auch die Höhe ihres Elterngelds.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwölf Monate vor dem Geburtsmonat: Bei angestellter Arbeit zählt grundsätzlich der Zeitraum von zwölf Kalendermonaten vor dem Kalendermonat der Geburt (§ 2b Abs. 1 BEEG).
- Vier Ausklammerungsgründe: Mutterschutz mit Mutterschaftsgeld, Elterngeld für ein älteres Kind, schwangerschaftsbedingte Krankheit und Wehr- oder Zivildienst fallen automatisch aus dem Zeitraum heraus.
- Der Zeitraum verschiebt sich, bleibt aber zwölf Monate lang: Für jeden ausgeklammerten Monat rutscht ein früherer Monat nach.
- Verzicht ist möglich: Auf Antrag zählen die eigentlich ausgeklammerten Monate doch, wenn das für dich günstiger ist (§ 2b Abs. 1 Satz 3 BEEG).
- Selbstständige rechnen anders: Für sie zählt der letzte abgeschlossene steuerliche Veranlagungszeitraum vor der Geburt, nicht die zwölf Kalendermonate (§ 2b Abs. 2 BEEG).
- Mischeinkünfte folgen grundsätzlich den Regeln für Selbstständige, außer die selbstständigen Einkünfte lagen in beiden betroffenen Jahren im Schnitt unter 35 € im Monat (§ 2b Abs. 4 BEEG).
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Erstgespräch buchenElterngeld-Bemessungszeitraum: Was bedeutet das?#
Der Bemessungszeitraum ist der Zeitraum, aus dem die Elterngeldstelle dein Einkommen vor der Geburt ermittelt (§ 2b BEEG). Er beantwortet die Frage „wann“: welche Kalendermonate überhaupt in die Berechnung einfließen. Die Frage „was“ – also welche einzelnen Einnahmen innerhalb dieser Monate mitzählen, etwa Boni oder geldwerte Vorteile – klärt ein eigener Artikel zum Einkommen für das Elterngeld.
Welcher Zeitraum gilt, hängt von deiner Erwerbsform ab: angestellt, selbstständig oder beides. Dieser Artikel konzentriert sich auf die angestellte Arbeit, weil dort die meisten Fragen zum Ausklammern und Verschieben entstehen. Für Selbstständige und Mischeinkünfte verlinken wir am Ende auf die passenden Artikel.
Welche zwölf Monate zählen bei angestellter Arbeit?#
Maßgeblich sind die zwölf Kalendermonate vor dem Kalendermonat der Geburt (§ 2b Abs. 1 Satz 1 BEEG). Wird dein Kind im Mai geboren, zählt unabhängig vom genauen Tag der Zeitraum von Mai des Vorjahres bis April des Geburtsjahres. Die Zählung läuft in ganzen Kalendermonaten, nicht in Tagen ab dem Geburtsdatum.
Dieser reguläre Zwölfmonatszeitraum gilt aber nur, solange keiner der vier gesetzlichen Ausklammerungsgründe greift. Liegt einer davon vor, verschiebt sich der Zeitraum – dazu gleich mehr.
Welche Monate klammert die Elterngeldstelle aus?#
Vier Situationen führen dazu, dass ein Monat aus dem Bemessungszeitraum automatisch herausfällt (§ 2b Abs. 1 Satz 2 BEEG):
| Grund | Rechtsgrundlage | Typische Situation |
|---|---|---|
| Mutterschutz und Mutterschaftsgeld | § 2b Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BEEG | Die sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung, in denen du nicht beschäftigt werden durftest oder Mutterschaftsgeld bezogen hast |
| Elterngeld für ein älteres Kind | § 2b Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BEEG | Kurze Geschwisterfolge, während der du noch Elterngeld für dein vorheriges Kind bezogen hast |
| Schwangerschaftsbedingte Krankheit | § 2b Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 BEEG | Eine längere Krankschreibung, die maßgeblich durch die Schwangerschaft ausgelöst wurde |
| Wehr- oder Zivildienst | § 2b Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 BEEG | Seltener, meist bei Reservedienst |
Die ersten drei Gründe betreffen praktisch immer die Mutter, weil nur sie Mutterschaftsgeld bezieht, in Schutzfristen fällt oder schwangerschaftsbedingt krank sein kann. Elterngeld für ein älteres Kind kann dagegen beide Elternteile treffen, ebenso Wehr- oder Zivildienst.
Wichtig: Die Ausklammerung ist an den gesetzlichen Tatbestand geknüpft, nicht daran, wie viel Einkommen in diesem Monat noch floss. Ein Monat, in dem du bis zum 20. gearbeitet hast und ab dann in Mutterschutz warst, fällt trotzdem komplett heraus.
Wie sich der Bemessungszeitraum durch das Ausklammern verschiebt#
Fällt ein Monat weg, bleibt der Bemessungszeitraum trotzdem zwölf Monate lang: Für jeden ausgeklammerten Monat rutscht ein weiterer Monat vor dem regulären Zeitraum nach. Wie viele Monate das am Ende sind, hängt vom errechneten Geburtstermin und dem tatsächlichen Geburtstermin ab, denn die Schutzfrist vor der Entbindung richtet sich nach dem errechneten Termin und verkürzt oder verlängert sich, wenn das Kind früher oder später kommt (§ 3 Abs. 1 MuSchG).
- Errechneter Geburtstermin
- 12. Mai 2027
- Regulärer Zwölfmonatszeitraum ohne Ausklammern
- Mai 2026 bis April 2027
- Mutterschutz mit Mutterschaftsgeld ab
- 31. März 2027
- Ausgeklammerte Monate
- März und April 2027
Vereinfachtes Beispiel. Angenommen ist eine Geburt am errechneten Termin und eine Vollzeitstelle ohne größere Gehaltsänderung im Betrachtungszeitraum. Weil März und April 2027 durch den Mutterschutz herausfallen, rücken stattdessen März und April 2026 in den Bemessungszeitraum nach. Kommt Aylins Kind vor oder nach dem errechneten Termin, verschiebt sich die Schutzfrist entsprechend, und mit ihr die ausgeklammerten Monate.
Für die meisten werdenden Mütter ist genau dieser Mechanismus der Grund, warum ihr Bemessungszeitraum nicht einfach die letzten zwölf Kalendermonate sind, sondern ein paar Monate weiter zurückreicht. Das ist in aller Regel günstig, weil Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit im Sinne des Elterngeldes sind: Ohne Ausklammerung würden diese Monate den Durchschnitt senken.
Wann lohnt sich der Verzicht auf das Ausklammern?#
In der Regel hilft dir die automatische Ausklammerung, weil sie Monate mit geringerem oder fehlendem Erwerbseinkommen aus der Berechnung nimmt. Es gibt aber Fälle, in denen die eigentlich ausgeklammerten Monate ein höheres Einkommen zeigen als die Monate, die stattdessen nachrücken würden, etwa nach einer Gehaltserhöhung kurz vor der Schutzfrist oder wenn die nachrückenden Monate in eine vorherige Elternzeit oder einen Jobwechsel mit geringerem Gehalt fallen. Für genau diesen Fall erlaubt § 2b Abs. 1 Satz 3 BEEG auf Antrag, die eigentlich ausgeklammerten Monate doch zu berücksichtigen.
Ob sich das für dich lohnt, lässt sich nur durch einen echten Vergleich beider Varianten mit deinen tatsächlichen Gehaltsabrechnungen beantworten, nicht pauschal.
Bemessungszeitraum bei Selbstständigen und Mischeinkünften#
Für Einkünfte aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt kein Zwölfmonatszeitraum, sondern der letzte abgeschlossene steuerliche Veranlagungszeitraum vor der Geburt, also in aller Regel das vorherige Kalenderjahr (§ 2b Abs. 2 BEEG). Wie sich dieser Zeitraum verschieben kann, etwa wenn im maßgeblichen Jahr selbst einer der vier Ausklammerungsgründe vorlag, erklärt unser Artikel zum Bemessungszeitraum für Selbstständige im Detail.
Hattest du vor der Geburt sowohl selbstständige als auch angestellte Einkünfte, gilt grundsätzlich für beide Einkunftsarten zusammen der Zeitraum für Selbstständige (§ 2b Abs. 3 BEEG). Eine Ausnahme greift, wenn deine selbstständigen Einkünfte sowohl im Kalenderjahr vor der Geburt als auch bis zur Geburt im Kalenderjahr der Geburt durchschnittlich unter 35 € im Monat lagen: Dann kannst du beantragen, dass für die angestellte Arbeit allein der Zwölfmonatszeitraum gilt (§ 2b Abs. 4 BEEG). Die genauen Voraussetzungen und wie die Einkünfte dafür ermittelt werden, stehen im Artikel zu Elterngeld bei Mischeinkünften.
| Erwerbsform | Bemessungszeitraum | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Angestellte Arbeit | Zwölf Kalendermonate vor dem Geburtsmonat, ohne ausgeklammerte Monate | § 2b Abs. 1 BEEG |
| Selbstständige Arbeit | Letzter abgeschlossener steuerlicher Veranlagungszeitraum vor der Geburt | § 2b Abs. 2 BEEG |
| Mischeinkünfte | Grundsätzlich der Zeitraum für Selbstständige, für beide Einkunftsarten zusammen | § 2b Abs. 3 BEEG |
| Mischeinkünfte mit sehr geringem Nebeneinkommen | Auf Antrag der Zwölfmonatszeitraum, wenn die selbstständigen Einkünfte in beiden betroffenen Jahren unter 35 € im Monat lagen | § 2b Abs. 4 BEEG |
Warum die Nachweise für den richtigen Zeitraum entscheidend sind#
Die Elterngeldstelle setzt den Bemessungszeitraum anhand deiner Nachweise fest, nicht anhand deiner Einschätzung. Für ausgeklammerte Monate braucht sie den Beleg für den jeweiligen Tatbestand, etwa die Bescheinigung über den Mutterschaftsgeldbezug oder die Krankschreibung mit dem Hinweis auf die Schwangerschaft. Fehlt ein Nachweis oder ist er unvollständig, kann die Elterngeldstelle vorläufig mit dem regulären Zwölfmonatszeitraum rechnen, und ein zu niedriger vorläufiger Bescheid ist ärgerlich, selbst wenn er später korrigiert wird.
Die Elterngeldstelle beantwortet Fragen zu deinem Antrag kostenlos, entscheidet aber im Einzelfall, welcher Zeitraum gilt und ob ein Nachweis ausreicht. Als private Beratung sind wir nicht diese Behörde, sondern rechnen mit dir durch, welche Variante sich für deinen Fall lohnt, bevor du den Antrag einreichst.
Was jetzt zu tun ist#
- Errechneten Geburtstermin und Mutterschutzbeginn klären: Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem Termin (§ 3 Abs. 1 MuSchG); ab dann zählt der Monat in der Regel nicht mehr zum Bemessungszeitraum.
- Zwölf Monate zurückrechnen ab dem Monat vor der Geburt und markieren, welche Monate durch Mutterschutz, Elterngeldbezug für ein älteres Kind, schwangerschaftsbedingte Krankheit oder Wehr-/Zivildienst betroffen sind.
- Gehaltsnachweise für den erweiterten Zeitraum sammeln, also auch für die Monate, die durch das Ausklammern zusätzlich infrage kommen.
- Prüfen, ob ein Verzicht auf das Ausklammern günstiger ist, bevor du den Antrag stellst, denn den Verzicht musst du selbst beantragen.
- Antrag zeitnah stellen: Elterngeld wird höchstens für die letzten drei Lebensmonate rückwirkend gezahlt (§ 7 Abs. 1 Satz 2 BEEG) – unabhängig vom Bemessungszeitraum, der nur die Höhe, nicht die Antragsfrist bestimmt.
Wenn du unsicher bist, welche Monate bei dir zählen, hilft ein Blick in unsere Beratungspreise oder direkt ein Beratungstermin, bevor du Nachweise sammelst, die am Ende gar nicht gebraucht werden.
Häufige Fragen
Zählt der Monat der Geburt selbst zum Bemessungszeitraum?
Nein. Maßgeblich sind die zwölf Kalendermonate vor dem Kalendermonat der Geburt (§ 2b Abs. 1 BEEG), der Geburtsmonat selbst gehört nicht mehr dazu. Egal ob dein Kind am 1. oder am 30. eines Monats geboren wird, es zählt immer der ganze Vormonat als erster Monat des Zeitraums.
Was passiert, wenn ich während der ausgeklammerten Monate trotzdem gearbeitet habe?
Für die Ausklammerung zählt der gesetzliche Tatbestand, nicht ob in diesem Monat noch Einkommen floss. Ein Monat mit Mutterschaftsgeld fällt automatisch heraus, auch wenn du in den ersten Tagen noch gearbeitet hast. Willst du ihn trotzdem einbeziehen, weil er für dich günstiger ist, musst du das gesondert beantragen.
Verschiebt eine Frühgeburt den Bemessungszeitraum?
Ja, indirekt. Die Schutzfrist vor der Entbindung verkürzt oder verlängert sich, wenn dein Kind nicht am errechneten Termin kommt (§ 3 Abs. 1 MuSchG). Weil sich damit ändert, in welchen Monaten du Mutterschaftsgeld bezogen hast, verschieben sich auch die ausgeklammerten Monate im Bemessungszeitraum.
Gilt das Ausklammern auch für Väter?
Mutterschutz, Mutterschaftsgeld und schwangerschaftsbedingte Krankheit betreffen nur die Mutter. Der Ausklammerungsgrund Elterngeld für ein älteres Kind gilt dagegen für beide Elternteile, wenn sie im fraglichen Zeitraum selbst Elterngeld bezogen haben, und auch Wehr- oder Zivildienst kann beide treffen.
Kann ich den Bemessungszeitraum frei wählen?
Nein. Welcher Zeitraum gilt, ergibt sich aus dem Gesetz und deiner Erwerbssituation, nicht aus deiner Wahl. Nur beim Verzicht auf das Ausklammern nach § 2b Abs. 1 Satz 3 BEEG und bei der 35-Euro-Ausnahme für Mischeinkünfte nach § 2b Abs. 4 BEEG hast du ein Antragsrecht.
Was zählt innerhalb des Bemessungszeitraums als Einkommen?
Das ist eine eigene Frage: Der Bemessungszeitraum legt nur fest, welche Monate zählen. Welche Einnahmen innerhalb dieser Monate mitgerechnet werden, etwa bei Boni oder geldwerten Vorteilen, hängt von ihrer lohnsteuerlichen Behandlung ab und ist unabhängig vom Zeitraum selbst.
Quellen und Stand
Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.

