Inhalt9 Abschnitte
- Wer gilt beim Elterngeld als Geringverdiener?
- Wie hoch ist die Ersatzrate bei geringem Einkommen?
- Wie wird dein Einkommen für die Berechnung ermittelt?
- Wie rechnest du dein Elterngeld als Geringverdiener?
- Was passiert, wenn du während des Elterngeldbezugs dazuverdienst?
- Der Mindestbetrag: Die Untergrenze für alle
- Was jetzt zu tun ist
- Häufige Fragen
- Quellen und Stand
Tobias arbeitet in Teilzeit im Lager, sein Elterngeld-Netto vor der Geburt seiner Tochter liegt bei 820 € im Monat. Als er zum ersten Mal die 67 % aus dem Elterngeldrechner liest, rechnet er kurz nach und ist enttäuscht: 549 €. Was er nicht weiß: Bei seinem Einkommen gilt gar nicht die üblichen 67 %, sondern eine gesetzlich höhere Rate.
Das Wichtigste in Kürze
- Liegt dein Einkommen aus Erwerbstätigkeit vor der Geburt unter 1.000 € im Monat, steigt die Ersatzrate von 67 % um 0,1 Prozentpunkte je 2 € Differenz (§ 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG).
- Bei 340 € oder weniger hat die Rate ihr gesetzliches Maximum erreicht: 100 %.
- Zwischen 1.000 € und 1.200 € Einkommen bleibt es bei den regulären 67 %.
- Unabhängig von der Rate zahlt die Elterngeldstelle mindestens 300 € Basiselterngeld im Monat, auch ganz ohne Einkommen vor der Geburt (§ 2 Abs. 4 BEEG).
- ElterngeldPlus beträgt höchstens die Hälfte des Basiselterngeldes und mindestens 150 € (§ 4a Abs. 2 BEEG).
- Maßgeblich ist immer das nach den §§ 2c bis 2f BEEG berechnete Elterngeld-Netto, nicht die Zahl auf dem Gehaltszettel.
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Erstgespräch buchenWer gilt beim Elterngeld als Geringverdiener?#
Einen amtlichen Begriff „Geringverdiener“ kennt das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) nicht. Gemeint ist im Alltag jede Person, deren Einkommen aus Erwerbstätigkeit vor der Geburt unter 1.000 € im Monat lag – vom Minijob über eine kleine Teilzeitstelle bis zur Ausbildungsvergütung. Für sie gilt eine eigene Regel in § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG, die den Grundsatz aus § 2 Abs. 1 BEEG nach oben korrigiert.
Der Grundsatz lautet: Elterngeld ersetzt 67 % des wegfallenden Einkommens. Diese Rate gilt unverändert für jedes Einkommen zwischen 1.000 € und 1.200 € im Monat. Erst darunter und darüber weicht das Gesetz von den 67 % ab, und zwar in beide Richtungen: nach oben für geringe Einkommen, nach unten für hohe.
Wie hoch ist die Ersatzrate bei geringem Einkommen?#
Für je 2 €, um die dein Einkommen die 1.000-€-Grenze unterschreitet, steigt die Ersatzrate um 0,1 Prozentpunkte über 67 % hinaus – bis maximal 100 % (§ 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG). Das Maximum erreichst du rechnerisch bereits bei 340 € Einkommen; darunter bleibt es gesetzlich bei den 100 %, ein höherer Wert ist ausgeschlossen.
| Einkommen vor der Geburt | Ersatzrate | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| 340 € oder weniger | 100 % (Maximum) | § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG |
| 500 € | 92 % | § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG |
| 700 € | 82 % | § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG |
| 900 € | 72 % | § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG |
| 1.000 € bis 1.200 € | 67 % (Grundsatz) | § 2 Abs. 1 BEEG |
Die gleiche Logik funktioniert spiegelbildlich für hohe Einkommen: Über 1.200 € sinkt die Rate für je 2 € Überschreitung um 0,1 Prozentpunkte, bis auf 65 % (§ 2 Abs. 2 Satz 2 BEEG). Das betrifft Geringverdienerinnen und Geringverdiener nicht, zeigt aber, dass 65 bis 67 % nur die Regel für Einkommen zwischen den beiden Schwellen ist, nicht für jeden Fall.
Wie wird dein Einkommen für die Berechnung ermittelt?#
Nicht dein Netto auf der Gehaltsabrechnung entscheidet, sondern das nach den §§ 2c bis 2f BEEG errechnete Elterngeld-Netto: Einnahmen abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag und gesetzlicher Abzüge für Steuern und Sozialabgaben. Bei einem Minijob fallen dabei in der Regel keine Steuer- und Sozialabgaben an, sodass mehr vom Bruttoeinkommen übrig bleibt als bei einer normal versteuerten Stelle. Wie genau dieser Wert entsteht, steht im Artikel zur Elterngeld-Netto-Berechnung.
Maßgeblich ist außerdem der richtige Zeitraum: Bei angestellter Arbeit sind das die zwölf Kalendermonate vor dem Kalendermonat der Geburt (§ 2b Abs. 1 BEEG), der sogenannte Bemessungszeitraum. Monate mit Mutterschaftsgeld oder schwangerschaftsbedingter Krankheit fallen automatisch heraus, ein früherer Monat rutscht nach – Details dazu im Artikel zum Bemessungszeitraum. Gerade bei geringem Einkommen kann ein einziger ausgeklammerter Monat mit besserem Verdienst den Unterschied machen, ob du am Ende über oder unter der 1.000-€-Grenze landest.
Wie rechnest du dein Elterngeld als Geringverdiener?#
- Elterngeld-Netto vor der Geburt
- 820 €
- Unterschreitung der 1.000-€-Grenze
- 180 €
- Zuschlag zur Ersatzrate (180 € ÷ 2 € × 0,1 Punkte)
- 9 Prozentpunkte
- Ersatzrate (67 % + 9 Prozentpunkte)
- 76 %
Vereinfachtes Beispiel. Angenommen ist ein durchgehendes Einkommen über den ganzen Bemessungszeitraum ohne ausgeklammerte Monate. Dein tatsächlicher Betrag hängt von deinem individuellen Bemessungszeitraum und den gesetzlichen Abzügen für Steuern und Sozialabgaben ab.
Ohne die Sonderregel für geringe Einkommen hätte Tobias mit den üblichen 67 % nur 549 € erhalten. Die 9 Prozentpunkte Zuschlag bringen ihm rechnerisch 74 € mehr im Monat – ein Unterschied, der bei einem knappen Haushaltsbudget spürbar ist.
Was passiert, wenn du während des Elterngeldbezugs dazuverdienst?#
Verdienst du in einem Bezugsmonat weiter Geld, wird deine Ersatzrate nicht neu berechnet, sondern auf den Unterschiedsbetrag zwischen deinem Einkommen vor der Geburt und deinem Einkommen in diesem Monat angewendet (§ 2 Abs. 3 Satz 1 BEEG). Deine einmal ermittelte Rate von 76 % bleibt also gleich, nur die Bezugsgröße ändert sich. Für Basiselterngeld- und ElterngeldPlus-Monate wird dieser Unterschiedsbetrag getrennt berechnet (§ 2 Abs. 3 Satz 3 BEEG).
Weil dein Einkommen im Bezugsmonat bei Antragstellung oft noch nicht feststeht, zahlt die Elterngeldstelle zunächst vorläufig und rechnet später mit deinen echten Gehaltsnachweisen ab. Fällt der tatsächliche Zuverdienst höher aus als angenommen, kann eine Rückzahlung entstehen. Wer schon vor der Geburt wenig verdient und während des Bezugs plant, wieder etwas zu arbeiten, kombiniert damit zwei Rechenschritte, die sich gegenseitig beeinflussen.
Der Mindestbetrag: Die Untergrenze für alle#
Unabhängig von der Ersatzrate zahlt die Elterngeldstelle mindestens 300 € Basiselterngeld im Monat, selbst wenn du vor der Geburt gar kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit hattest (§ 2 Abs. 4 BEEG). Bei ElterngeldPlus liegt der Mindestbetrag bei 150 € im Monat, weil sich nach § 4a Abs. 2 Satz 3 Nummer 1 BEEG auch der Mindestbetrag halbiert. Mehr zu beiden Grenzen im Artikel zu Mindestbetrag und Höchstbetrag beim Elterngeld.
Bei sehr geringem Einkommen kann der Mindestbetrag sogar über die 100-%-Rate hinausgehen: Wer vor der Geburt beispielsweise 250 € im Monat verdiente, käme rechnerisch auf 100 % von 250 €, also 250 €. Ausgezahlt werden aber die 300 € Mindestbetrag, denn er gilt unabhängig vom errechneten Prozentwert. Die Elterngeldstelle beantwortet Fragen zu deinem konkreten Bescheid kostenlos und entscheidet über deinen Antrag – sie berät aber nicht, welche Variante aus Basiselterngeld, ElterngeldPlus und einem möglichen Zuverdienst sich für deine Familie insgesamt am besten rechnet. Genau das übernehmen wir als private Elterngeldberatung, keine Behörde, in einer Beratung für 129 €.
Was jetzt zu tun ist#
- Ermittle deinen Bemessungszeitraum: die zwölf Kalendermonate vor dem Monat der Geburt, mit möglichen Ausklammerungen bei Mutterschaftsgeld oder schwangerschaftsbedingter Krankheit.
- Rechne dein Elterngeld-Netto für diesen Zeitraum nach den §§ 2c bis 2f BEEG, nicht mit deinem Gehaltszettel-Netto.
- Prüfe, ob du unter 1.000 € oder über 1.200 € liegst, und wende die passende Staffel aus § 2 Abs. 2 BEEG an; dazwischen bleibt es bei 67 %.
- Vergleiche das Ergebnis mit dem Mindestbetrag von 300 € (Basiselterngeld) beziehungsweise 150 € (ElterngeldPlus) – der jeweils höhere Wert gilt.
- Stell deinen Antrag rechtzeitig: Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor Antragseingang gezahlt (§ 7 Abs. 1 BEEG).
Wie viel Elterngeld dir am Ende tatsächlich zusteht, entscheidet die Elterngeldstelle anhand deiner Nachweise. Eine Vorabrechnung mit deinen echten Zahlen zeigt dir, worauf du dich einstellen kannst.
Häufige Fragen
Ab welchem Einkommen gilt man beim Elterngeld als Geringverdiener?
Einen amtlichen Begriff „Geringverdiener“ gibt es im Gesetz nicht. Gemeint ist, dass dein Einkommen aus Erwerbstätigkeit vor der Geburt unter 1.000 € im Monat lag – dann greift die erhöhte Ersatzrate nach § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG.
Bekomme ich als Studentin oder Student ohne Einkommen trotzdem Elterngeld?
Ja, mindestens 300 € Basiselterngeld im Monat, auch wenn du vor der Geburt gar kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit hattest (§ 2 Abs. 4 BEEG). Beim ElterngeldPlus sind es mindestens 150 € im Monat.
Zählt ein Minijob für die erhöhte Ersatzrate mit?
Ja, Einkünfte aus einem Minijob fließen in dein Elterngeld-Netto ein. Weil dafür in der Regel keine Steuer- und Sozialabgaben abgezogen werden, bleibt oft mehr davon übrig als du denkst. Details dazu stehen im Artikel zu [Elterngeld und Minijob](/wissen/arbeitnehmer/elterngeld-minijob).
Kann die Ersatzrate über 100 % steigen?
Nein. § 2 Abs. 2 Satz 1 BEEG deckelt sie ausdrücklich auf 100 %. Rechnerisch würde die Formel bei einem Einkommen von 340 € oder weniger sogar darüber hinausgehen, das Gesetz kappt sie aber bei diesem Wert.
Verändert sich meine Ersatzrate, wenn ich während des Bezugs etwas dazuverdiene?
Nein, die einmal ermittelte Rate bleibt gleich. Sie wird während des Bezugs nur auf einen anderen Betrag angewendet: den Unterschiedsbetrag zwischen deinem Einkommen vor der Geburt und deinem Einkommen im jeweiligen Bezugsmonat (§ 2 Abs. 3 BEEG).
Wird der Mindestbetrag von 300 € auf Bürgergeld oder Wohngeld angerechnet?
Das ist eine eigene Frage zur jeweiligen Sozialleistung und hängt von deren Regeln ab, nicht vom BEEG. Details dazu findest du in unseren Artikeln zu [Elterngeld und Bürgergeld](/wissen/andere-leistungen/elterngeld-buergergeld-freibetrag) und [Elterngeld, Wohngeld und BAföG](/wissen/andere-leistungen/elterngeld-wohngeld-bafoeg).
Quellen und Stand
Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.


