Du hast gerade erfahren, dass ihr ein Kind bekommt, und die erste Rechenfrage lautet: Wie viel Elterngeld bleibt am Ende wirklich übrig? Es gibt keinen festen Betrag, sondern eine gesetzlich vorgeschriebene Formel mit vier Schritten. Die rechnen wir hier für dich durch, ohne dir am Ende einen Rechner zu versprechen, der deinen konkreten Betrag ausspuckt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Schritte führen zum Betrag: Bemessungszeitraum, Einkommen, Elterngeld-Netto und Ersatzrate ergeben zusammen dein Basiselterngeld.
- Die Ersatzrate liegt zwischen 65 und 100 Prozent: Sie sinkt bei höherem Einkommen auf mindestens 65 Prozent und steigt bei niedrigerem auf bis zu 100 Prozent.
- Das Elterngeld-Netto ist kein Gehaltsnetto: Es wird pauschal nach den §§ 2e und 2f BEEG berechnet, nicht von deiner Lohnabrechnung übernommen.
- Basiselterngeld liegt zwischen 300 € und 1.800 € monatlich; ElterngeldPlus beträgt höchstens die Hälfte davon.
- Geschwisterbonus und Mehrlingszuschlag kommen, wenn die Voraussetzungen zutreffen, zusätzlich obendrauf.
Was heißt das für deine Familie? Wir klären es in 15 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch buchenDie vier Schritte der Elterngeld-Berechnung#
Die Elterngeldstelle rechnet in einer festen Reihenfolge, und jeder Schritt hängt vom vorherigen ab.
Schritt 1 – Bemessungszeitraum bestimmen. Das ist der Zeitraum, aus dem dein Einkommen für die Berechnung stammt. Bei ausschließlich nichtselbstständiger Arbeit sind es für die Mutter in der Regel die zwölf Kalendermonate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt; für den anderen Elternteil die zwölf Kalendermonate vor dem Geburtsmonat. Welche Monate das im Detail sind und wann sich der Zeitraum verschiebt, etwa durch Mutterschaftsgeld oder Krankheit, erklärt der Artikel zum Bemessungszeitraum. Bekommst du ein zweites Kind, während du noch in Elternzeit oder im Elterngeldbezug für das erste bist, verschiebt sich der Zeitraum zusätzlich; das rechnen wir im Artikel zum Bemessungszeitraum beim zweiten Kind durch. Bist du selbstständig, zählt stattdessen grundsätzlich der letzte abgeschlossene steuerliche Veranlagungszeitraum – Details dazu stehen im Artikel zum Bemessungszeitraum für Selbstständige. Kommen beide Einkunftsarten zusammen, gilt für den Zeitraum grundsätzlich die Regel für Selbstständige; wie das im Einzelnen läuft, zeigt der Artikel zu Elterngeld bei Mischeinkünften.
Schritt 2 – Einkommen im Bemessungszeitraum ermitteln. Berücksichtigt wird Einkommen aus nichtselbstständiger und selbstständiger Arbeit, das im Inland zu versteuern ist. Nicht jede Zahlung zählt: Was steuerlich als sonstiger Bezug gilt, etwa bestimmte Einmalzahlungen, bleibt draußen. Was genau reinfließt, erklärt der Artikel Welches Einkommen zählt für das Elterngeld?. Für Angestellte ist meist der laufende Lohn aus der Gehaltsabrechnung maßgeblich; wie dieser konkret in die Rechnung eingeht, steht im Artikel zur Berechnung für Angestellte.
Schritt 3 – Elterngeld-Netto berechnen. Vom ermittelten Einkommen zieht die Elterngeldstelle Steuern und Sozialabgaben pauschal nach den §§ 2e und 2f BEEG ab. Das Ergebnis heißt Elterngeld-Netto und ist eine gesetzliche Rechengröße, keine Kopie deines Auszahlungsnettos. Warum die beiden Beträge auseinanderfallen können, zeigt der Artikel Elterngeld-Netto berechnen.
Schritt 4 – Ersatzrate anwenden. Auf das Elterngeld-Netto wendet die Elterngeldstelle die Ersatzrate an: grundsätzlich 67 Prozent, mit Abweichungen je nach Höhe des Einkommens (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Das Ergebnis ist dein Basiselterngeld, mindestens 300 € und höchstens 1.800 € im Monat.
- Bemessungszeitraum
- zwölf Monate vor Mutterschutzbeginn
- Elterngeld-Netto vor der Geburt
- 1.220 €
- Ersatzrate (67 % minus 0,1 Prozentpunkte je 2 € über 1.200 €)
- 66 %
Vereinfachtes Beispiel. Annahmen: Malin ist angestellt, hat kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit im Bezugsmonat und keine Ausklammerungstatbestände im Bemessungszeitraum. Ihr Elterngeld-Netto liegt 20 € über der Schwelle von 1.200 €, das sind zehn Zweier-Schritte à 0,1 Prozentpunkte Abzug: 67 % minus 1,0 Prozentpunkt macht 66 %. 1.220 € mal 66 % ergibt rund 805 €. Dein Betrag hängt von deinem eigenen Einkommen, deinem Bemessungszeitraum und einem möglichen Einkommen im Bezugsmonat ab.
Warum die Ersatzrate zwischen 65 und 100 Prozent schwankt#
Die Ersatzrate ist nicht immer 67 Prozent, sie richtet sich nach der Höhe des Elterngeld-Nettos vor der Geburt (§ 2 Absatz 2 BEEG):
| Elterngeld-Netto vor der Geburt | Ersatzrate |
|---|---|
| unter 1.000 € | steigt von 67 % auf bis zu 100 % (plus 0,1 Prozentpunkte je 2 € unter 1.000 €) |
| 1.000 € bis 1.200 € | 67 % |
| über 1.200 € bis 1.240 € | sinkt von 67 % auf 65 % (minus 0,1 Prozentpunkte je 2 € über 1.200 €) |
| über 1.240 € | 65 % (Mindestsatz) |
Bei einem hohen Einkommen landest du also fast immer bei 65 Prozent, nicht bei 67 Prozent – warum das so ist und was das für die Planung bedeutet, steht im Artikel Elterngeld bei hohem Einkommen. Wer wenig verdient hat, wird über die steigende Ersatzrate teilweise ausgeglichen; wie weit das reicht, zeigt der Artikel Elterngeld für Geringverdiener.
Was ElterngeldPlus und die Zuschläge an der Rechnung ändern#
ElterngeldPlus wird nach denselben vier Schritten berechnet, deckelt das Ergebnis aber auf höchstens die Hälfte des Basiselterngeldes, das ohne Einkommen im Bezugsmonat zustünde (§ 4a BEEG). Dafür läuft es doppelt so lange. Wie diese Umrechnung konkret funktioniert und wann sie sich lohnt, erklärt der Artikel zum Topf-Prinzip von ElterngeldPlus.
Zwei Zuschläge kommen, wenn die Voraussetzungen zutreffen, obendrauf: Lebst du mit mindestens zwei Kindern unter drei Jahren oder drei Kindern unter sechs Jahren im Haushalt, erhöht der Geschwisterbonus das Elterngeld um 10 Prozent, mindestens um 75 €; Details und Fallstricke stehen im Artikel Geschwisterbonus beim Elterngeld. Bei Mehrlingsgeburten kommen für das zweite und jedes weitere Kind zusätzlich je 300 € dazu (§ 2a Absatz 4 BEEG).
Wenn du während des Bezugs arbeitest#
Hast du in einem Lebensmonat ein Einkommen aus Erwerbstätigkeit, das durchschnittlich geringer ist als dein Einkommen vor der Geburt, wird die Ersatzrate nicht auf dein volles früheres Einkommen angewendet, sondern nur auf den Unterschiedsbetrag zwischen beiden Werten (§ 2 Absatz 3 BEEG). Das betrifft vor allem Teilzeit im Bezugsmonat; wie sich das konkret auswirkt, zeigt der Artikel Elterngeld Teilzeit berechnen.
Was die Berechnung sonst noch beeinflusst#
Ein paar Stellschrauben liegen außerhalb der vier Schritte, wirken sich aber auf deinen Nettobetrag oder seine Sicherheit aus. Die Steuerklasse im Bemessungszeitraum verändert das Elterngeld-Netto, weil sie die pauschalen Abzüge nach § 2e BEEG beeinflusst; was ein Wechsel wirklich bringt und bis wann er sich noch lohnt, steht im Artikel Steuerklasse und Elterngeld. Ist das Elterngeld einmal bewilligt, ist es nur eingeschränkt pfändbar; wie weit der Schutz reicht, erklärt der Artikel Elterngeld pfändbar?. Und wurde zu viel gezahlt, etwa weil sich das Einkommen im Bezugsmonat anders entwickelt hat als angegeben, verlangt die Elterngeldstelle den Differenzbetrag zurück; was dann zu tun ist, steht im Artikel Elterngeld-Rückforderung.
Eine Beispielrechnung wie oben kann nur eine Orientierung geben. Bemessungszeitraum, Einkunftsart, Abzugsmerkmale und ein mögliches Einkommen im Bezugsmonat wirken zusammen, und schon kleine Unterschiede verändern das Ergebnis. Die verbindliche Entscheidung trifft immer die zuständige Elterngeldstelle anhand deines Antrags und deiner Nachweise.



