Inhalt9 Abschnitte
- Wie wirkt sich die Steuerklasse auf dein Elterngeld aus?
- Welche Steuerklasse zählt: die letzte oder die überwiegende?
- Warum Steuerklasse VI beim Elterngeld nie zählt
- Wenn keine Steuerklasse zugeordnet war oder Selbstständigkeit überwiegt
- Lohnt sich ein Steuerklassenwechsel vor der Geburt?
- Was ein höheres Elterngeld über die Steuerklasse kostet
- Was jetzt zu tun ist
- Häufige Fragen
- Quellen und Stand
Aylin ist im vierten Monat schwanger, ihr Mann verdient deutlich mehr, deshalb ist sie seit der Hochzeit in Steuerklasse V. Eine Kollegin hat ihr erzählt, ein Wechsel vor der Geburt bringe automatisch mehr Elterngeld. Ob das stimmt, hängt an einer einzigen Zahl im Gesetz: der Mehrheit der Monate in Aylins Bemessungszeitraum.
Das Wichtigste in Kürze
- Für den Steuerabzug beim Elterngeld zählt nicht deine tatsächliche Lohnsteuer, sondern ein pauschaler Betrag nach § 2e BEEG, der sich nach deiner Steuerklasse und einem möglichen Faktor nach § 39f EStG richtet.
- Maßgeblich ist grundsätzlich die Steuerklasse aus der Verdienstbescheinigung des letzten Monats deines Bemessungszeitraums – außer eine andere Steuerklasse galt in mehr als sechs der zwölf Monate, dann zählt diese (§ 2c Abs. 3 BEEG).
- Steuerklasse VI bleibt in jedem Fall unberücksichtigt (§ 2e Abs. 3 BEEG).
- Ohne zugeordnete Steuerklasse oder bei überwiegenden Gewinneinkünften aus Selbstständigkeit rechnet die Elterngeldstelle automatisch mit Steuerklasse IV ohne Faktor.
- Ein Wechsel kurz vor der Geburt bringt meist nichts: Er muss in der Mehrzahl der zwölf Monate gegolten haben, nicht nur im letzten.
- Ein höheres Elterngeld über die Steuerklasse ist steuerfrei, erhöht aber über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz für das übrige Einkommen im selben Jahr.
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Erstgespräch buchenWie wirkt sich die Steuerklasse auf dein Elterngeld aus?#
Deine Steuerklasse verändert nicht dein Elterngeld direkt, sondern den pauschalen Abzug, der vor der Berechnung von deinem Einkommen subtrahiert wird. Für das Elterngeld-Netto zieht die Elterngeldstelle von deinem Einkommen aus Erwerbstätigkeit Abzüge für Steuern und Sozialabgaben ab (§ 2c und § 2e Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, kurz BEEG). Der Steuerabzug ist dabei keine echte Steuerberechnung, sondern ein Wert aus dem amtlichen Programmablaufplan für die Lohnsteuer, in den deine Steuerklasse und ein möglicher Faktor nach § 39f Einkommensteuergesetz (EStG) eingehen.
Dieser Pauschalwert kann von dem abweichen, was tatsächlich von deinem Gehalt einbehalten wird, vor allem weil Steuerklassenkombinationen wie III und V bewusst ungleich verteilen, während sich am Jahresende in der Einkommensteuererklärung meist vieles wieder ausgleicht. Für das Elterngeld zählt aber ausschließlich der Wert aus der Lohnabrechnung, nicht das Ergebnis der späteren Steuererklärung.
Von der Steuerklasse unberührt bleibt der zweite Abzugsblock: die Pauschale für Sozialabgaben. Sie richtet sich nach deinem tatsächlichen Versicherungsstatus in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, nicht nach deiner Steuerklasse. Wer also privat krankenversichert ist oder aus anderen Gründen einzelne Pauschalen nicht ansetzt, sollte den Effekt eines Steuerklassenwechsels nicht mit dem der Sozialabgaben-Pauschale verwechseln, denn beide Abzüge werden getrennt ermittelt und nur am Ende zusammen vom Einkommen abgezogen.
Welche Steuerklasse zählt: die letzte oder die überwiegende?#
Für den Steuerabzug ist grundsätzlich die Steuerklasse aus der Verdienstbescheinigung des letzten Kalendermonats deines Bemessungszeitraums maßgeblich (§ 2c Abs. 3 Satz 1 BEEG). Hat sich deine Steuerklasse innerhalb des Bemessungszeitraums geändert, gilt stattdessen die Steuerklasse, die in mehr als sechs der zwölf Monate gegolten hat, auch wenn sie zum Ende hin nicht mehr die aktuellste ist (§ 2c Abs. 3 Satz 2 BEEG).
Der Bemessungszeitraum für Angestellte sind grundsätzlich die zwölf Kalendermonate vor dem Monat der Geburt (§ 2b Abs. 1 BEEG). Monate mit Mutterschutz, Elterngeldbezug für ein älteres Kind oder Wehr- beziehungsweise Zivildienst zählen dabei nicht mit und verschieben den Zeitraum nach hinten. Wie sich das im Einzelfall auswirkt, erklären wir im Artikel zum Bemessungszeitraum für das Elterngeld.
| Situation im Bemessungszeitraum | Welche Steuerklasse zählt |
|---|---|
| Steuerklasse hat sich nicht geändert | Die durchgehend geltende Steuerklasse |
| Geändert, die neue gilt in mehr als sechs von zwölf Monaten | Die neue, überwiegende Steuerklasse |
| Geändert, die alte gilt weiterhin in der Mehrzahl der Monate | Die alte, überwiegende Steuerklasse – auch wenn im letzten Monat schon die neue gilt |
| Keine Steuerklasse zugeordnet, oder Gewinneinkünfte höher als das Angestelltengehalt | Steuerklasse IV ohne Faktor, automatisch |
| Steuerklasse VI (zweites Dienstverhältnis) | Nie – bleibt unberücksichtigt |
Warum Steuerklasse VI beim Elterngeld nie zählt#
Steuerklasse VI bleibt bei der Berechnung des Elterngelds in jedem Fall unberücksichtigt (§ 2e Abs. 3 BEEG). Sie betrifft ein zweites oder weiteres Dienstverhältnis und dient nur der zusätzlichen Lohnsteuer auf diesen Nebenverdienst. Hast du also neben deinem Hauptjob einen Minijob oder eine zweite Stelle mit Steuerklasse VI, verändert dieser Nebenjob den Steuerabzug für dein Elterngeld nicht, unabhängig davon, wie viel du dort verdienst.
Wenn keine Steuerklasse zugeordnet war oder Selbstständigkeit überwiegt#
War im Bemessungszeitraum gar keine Steuerklasse zugeordnet, etwa weil du vorher nicht in Deutschland angestellt warst, oder waren deine Gewinneinkünfte aus selbstständiger Arbeit höher als dein Überschuss aus nichtselbstständiger Arbeit, rechnet die Elterngeldstelle automatisch mit Steuerklasse IV ohne Faktor (§ 2e Abs. 3 Satz 2 BEEG). Auf einen einzelnen Steuerklassenwechsel kommt es in diesen Fällen gar nicht an. Das betrifft vor allem Mischeinkünfte aus angestellter und selbstständiger Tätigkeit, mehr dazu im Artikel zu Elterngeld bei Mischeinkünften.
Lohnt sich ein Steuerklassenwechsel vor der Geburt?#
Ein Wechsel zu einer Steuerklasse mit niedrigerem pauschalem Steuerabzug kann dein Elterngeld erhöhen, weil das Elterngeld-Netto dadurch höher ausfällt. Dein tatsächliches Bruttogehalt ändert sich dadurch nicht, nur der rechnerische Abzug. Damit der Wechsel überhaupt zählt, muss die neue Steuerklasse in mehr als der Hälfte der zwölf Monate deines Bemessungszeitraums gelten, also spätestens sieben Monate vor dem Monat der Geburt beim Finanzamt hinterlegt und seither ununterbrochen auf deinen Verdienstbescheinigungen eingetragen sein.
Rechne dabei nicht ab dem Tag, an dem du den Wechsel beim Finanzamt beantragst, sondern ab dem Monat, in dem die neue Steuerklasse tatsächlich auf deiner Verdienstbescheinigung erscheint. Zwischen Antrag und der ersten Lohnabrechnung mit der neuen Klasse vergeht in der Praxis Bearbeitungszeit beim Finanzamt und beim Arbeitgeber. Wer also erst bei einer bereits fortgeschrittenen Schwangerschaft wechselt, hat von den nötigen sieben Monaten Vorlauf schon einen Teil verloren.
- Elterngeld-Netto in Steuerklasse V
- 1.480 €
- Elterngeld-Netto in Steuerklasse III
- 1.650 €
- Ersatzrate bei diesem Einkommen
- 65 %
- Basiselterngeld in Steuerklasse V (65 % von 1.480 €)
- 962 €
Vereinfachtes Beispiel. Angenommen ist ein identisches Bruttoeinkommen; nur der pauschale Steuerabzug nach § 2e BEEG unterscheidet sich, weil Steuerklasse III einen niedrigeren Abzug ansetzt als Steuerklasse V. Ab 1.240 € Elterngeld-Netto liegt die Ersatzrate bei beiden Werten bei 65 %. Damit die Steuerklasse III für Aylin zählt, muss sie in mehr als sechs der zwölf Monate ihres Bemessungszeitraums gegolten haben, nicht nur im letzten Monat vor der Geburt.
Was ein höheres Elterngeld über die Steuerklasse kostet#
Ein höheres Elterngeld bleibt zwar selbst steuerfrei, erhöht aber über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz für das übrige zu versteuernde Einkommen im Bezugsjahr (§ 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe j EStG). Wie stark sich das auswirkt, hängt vom restlichen Einkommen des Jahres ab, zum Beispiel vom Gehalt des Partners bei gemeinsamer Veranlagung. Mehr zur Wechselwirkung mit der Steuererklärung liest du im Artikel Elterngeld und Progressionsvorbehalt.
Was jetzt zu tun ist#
- Bemessungszeitraum grob abschätzen: Rechne zwölf Monate vom voraussichtlichen Geburtsmonat zurück, und plane bei einem unsicheren Termin lieber einen Monat Puffer ein.
- Steuerklassen im Haushalt vergleichen: Wer voraussichtlich das Elterngeld bezieht, sollte seine eigene Steuerklasse prüfen, nicht die des Partners.
- Wechsel rechtzeitig beim Finanzamt beantragen, so dass die neue Steuerklasse in mehr als der Hälfte der zwölf Monate deines Bemessungszeitraums auf der Verdienstbescheinigung steht.
- Verdienstbescheinigungen aufbewahren: Sie sind die Nachweisgrundlage, mit der die Elterngeldstelle die überwiegende Steuerklasse feststellt.
- Elterngeld mit echten Zahlen durchrechnen lassen, bevor du dich für einen Wechsel entscheidest, statt dich auf einen Faustregel-Ratschlag zu verlassen.
Häufige Fragen
Ändert ein Steuerklassenwechsel wirklich mein Elterngeld, oder nur meinen Gehaltszettel?
Beides hängt zusammen. Dein monatliches Netto ändert sich sofort, weil der Arbeitgeber weniger oder mehr Lohnsteuer einbehält. Für das Elterngeld zählt derselbe pauschale Abzug – solange die neue Steuerklasse in der Mehrzahl der Monate deines Bemessungszeitraums galt.
Was passiert, wenn ich kurz vor der Geburt noch schnell die Steuerklasse wechsle?
Das bringt in der Regel nichts. Gilt eine andere Steuerklasse in mehr als sechs der zwölf Monate deines Bemessungszeitraums, zählt diese überwiegende Steuerklasse (§ 2c Abs. 3 BEEG) – nicht die, die im letzten Monat vor der Geburt auf der Verdienstbescheinigung steht.
Welche Steuerklasse gilt, wenn ich im Bemessungszeitraum auch selbstständig war?
Waren deine Gewinneinkünfte aus selbstständiger Arbeit höher als dein Überschuss aus nichtselbstständiger Arbeit, rechnet die Elterngeldstelle automatisch mit Steuerklasse IV ohne Faktor (§ 2e Abs. 3 BEEG), unabhängig davon, welche Steuerklasse tatsächlich eingetragen war.
Erhöht ein höheres Elterngeld auch meine Steuerlast in der Steuererklärung?
Ja, indirekt. Elterngeld ist selbst steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) und erhöht damit den Steuersatz für dein übriges zu versteuerndes Einkommen im selben Jahr.
Wirkt sich der Faktor nach § 39f EStG auch aufs Elterngeld aus?
Ja. Nutzt du als Ehepaar statt der Kombination III/V die Steuerklasse IV mit Faktor, geht dieser Faktor in denselben Abzug für Steuern nach § 2e BEEG ein wie die Steuerklasse selbst.
Quellen und Stand
Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.
- § 2c BEEG: Einkommen aus nichtselbstständiger Erwerbstätigkeit – Gesetze im Internet
- § 2e BEEG: Abzüge für Steuern – Gesetze im Internet
- § 2b BEEG: Bemessungszeitraum – Gesetze im Internet
- § 2 BEEG: Höhe des Elterngeldes – Gesetze im Internet
- § 39f EStG: Faktorverfahren bei Ehegatten – Gesetze im Internet
- § 32b EStG: Progressionsvorbehalt – Gesetze im Internet

