Deine Familie wohnt in Deutschland, aber ein Elternteil arbeitet in Frankreich. Oder du bist gerade erst nach Deutschland gezogen und fragst dich, ob dein Aufenthaltstitel für Elterngeld überhaupt reicht. Internationale Fälle lassen sich nicht mit einer Pauschalregel beantworten – sie hängen von Wohnort, Beschäftigung, Aufenthaltsstatus und ausländischem Einkommen ab, und diese vier Fragen führst du am besten getrennt durch, bevor du einen Antrag stellst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Staatsangehörigkeit allein entscheidet weder über den Anspruch noch darüber, welcher Staat zuständig ist.
- Nicht freizügigkeitsberechtigte Personen brauchen einen der in § 1 Abs. 7 BEEG aufgezählten Aufenthaltstitel, eine allgemeine Bezeichnung wie „Aufenthaltserlaubnis“ reicht nicht.
- Bestehen Ansprüche in mehreren EU-Staaten, entscheidet Art. 68 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 nach Beschäftigung und Wohnort des Kindes über die Rangfolge.
- Nur Einkommen, das in Deutschland zu versteuern ist, zählt für die Elterngeldberechnung nach § 2 BEEG – das Land des Arbeitgebersitzes allein sagt darüber nichts.
- Vergleichbare ausländische Familienleistungen werden nach § 3 BEEG angerechnet, aber nur bis zu 300 € bleiben davon grundsätzlich frei.
- Auch bei einer Entsendung ins Ausland kann der Anspruch nach § 1 Abs. 2 BEEG erhalten bleiben, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
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Erstgespräch buchenBist du EU-Bürgerin oder EU-Bürger in Deutschland?#
Für EU-Bürgerinnen und EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland gelten grundsätzlich dieselben Voraussetzungen wie für deutsche Staatsangehörige: Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt hier, gemeinsamer Haushalt mit dem Kind, eigene Betreuung und keine volle Erwerbstätigkeit (§ 1 Abs. 1 BEEG). Die Freizügigkeit als EU-Bürgerin oder EU-Bürger ersetzt den Nachweis eines Aufenthaltstitels, den nicht freizügigkeitsberechtigte Personen brauchen. Schwierig wird es erst, wenn Beschäftigung, Wohnort oder Kindergeldbezug in einem anderen EU-Staat liegen – dann kommen die europäischen Koordinierungsregeln ins Spiel, die im Abschnitt zu Familienleistungen in mehreren Staaten stehen. Die Voraussetzungen im Einzelnen, mit den Ausnahmen für befristete Aufenthalte, stehen im Artikel Elterngeld für EU-Bürger in Deutschland.
Welcher Aufenthaltstitel zählt für Drittstaatsangehörige?#
Nicht freizügigkeitsberechtigte Ausländerinnen und Ausländer sind nur anspruchsberechtigt, wenn sie einen der in § 1 Abs. 7 BEEG genannten Titel besitzen: eine Niederlassungserlaubnis, eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU, oder eine Blaue Karte EU, ICT-Karte, Mobiler-ICT-Karte oder Aufenthaltserlaubnis, die für mindestens sechs Monate zur Erwerbstätigkeit berechtigt. Ausdrücklich ausgenommen sind bestimmte Titel zu Ausbildungs-, Studien- oder Jobsuchezwecken, außer die Person übt bereits eine Erwerbstätigkeit aus oder nimmt Elternzeit. Für Aufenthaltserlaubnisse aus humanitären Gründen (etwa nach § 23 oder § 25 Aufenthaltsgesetz) gelten eigene Regeln, teils mit einer Mindestaufenthaltsdauer von 15 Monaten. Welcher Titel im Einzelfall reicht und was bei Verlängerung oder Wechsel passiert, klärt Elterngeld für Drittstaatsangehörige: Aufenthaltstitel prüfen.
Arbeitest du im EU-Ausland, während deine Familie in Deutschland wohnt?#
Treffen Ansprüche aus mehreren EU-Staaten zusammen – zum Beispiel weil ein Elternteil in Deutschland, der andere in Österreich arbeitet –, legt Art. 68 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 eine Rangfolge fest. Ansprüche aus Beschäftigung oder Selbstständigkeit gehen grundsätzlich vor reinen Wohnortansprüchen; treffen zwei Beschäftigungsansprüche aufeinander, kann der Wohnort des Kindes den Ausschlag geben. Aus dem nachrangigen Staat kann sich ein Unterschiedsbetrag ergeben, wenn dessen Familienleistung höher ausfällt – das ist keine automatische Zusage, sondern hängt von beiden Tätigkeiten, beiden Wohnorten und den bereits gestellten Anträgen ab. Wie das für Grenzgängerinnen und Grenzgänger im Einzelnen abläuft, einschließlich der Frage, welcher Staat den Antrag prüft, steht in Elterngeld für Grenzgänger: Wer zahlt, wenn du im EU-Ausland arbeitest.
Bleibt dein Anspruch bei Entsendung oder Sabbatical im Ausland erhalten?#
Wer für einen deutschen Arbeitgeber oder im öffentlichen Dienst vorübergehend ins Ausland entsandt, versetzt oder kommandiert wird, kann den Anspruch trotz fehlenden Wohnsitzes in Deutschland behalten, wenn dabei weiterhin das deutsche Sozialversicherungsrecht nach § 4 SGB IV gilt (§ 1 Abs. 2 BEEG). Dieselbe Ausnahme gilt für Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer sowie für Personen, die vorübergehend bei einer zwischen- oder überstaatlichen Einrichtung tätig sind. Ein Sabbatical oder ein privat veranlasster Auslandsaufenthalt ohne diese besondere Konstellation fällt nicht darunter – dort entscheidet, ob der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland während der Abwesenheit bestehen bleibt. Die Abgrenzung zwischen Entsendung, Auslandsstudium und privatem Auslandsjahr, mit den jeweiligen Nachweisen, erklärt Elterngeld bei Auslandsaufenthalt: Was für Entsendung und Sabbatical gilt.
Zählt ausländisches Einkommen, und werden ausländische Leistungen angerechnet?#
Für die Elterngeldberechnung nach § 2 BEEG zählt nur Erwerbseinkommen, das in Deutschland zu versteuern ist – Arbeitsort, Sitz des Arbeitgebers und Steuerstaat sind dafür getrennt zu prüfen, eine Regel „EU-Einkommen zählt, Drittstaat-Einkommen nicht“ gibt es nicht. Wie das Bemessungseinkommen aus mehreren Quellen grundsätzlich ermittelt wird, einschließlich der Frage, welche Einkünfte überhaupt berücksichtigungsfähig sind, steht in Welches Einkommen zählt für das Elterngeld?. Zusätzlich rechnet § 3 BEEG dem Elterngeld oder Mutterschaftsleistungen vergleichbare ausländische Leistungen sowie Elterngeld für ein älteres Kind aus dem Ausland auf das deutsche Elterngeld an, ein Freibetrag von 300 € bleibt dabei in der Regel unangetastet. Ob und in welcher Höhe eine konkrete ausländische Leistung angerechnet wird, ist eine Einzelfallprüfung, die Ausländisches Einkommen beim Elterngeld: Was zählt und was nicht im Detail durchgeht.
Was du für die Klärung zusammenstellst#
Bevor du einen Antrag stellst, hilft eine kurze schriftliche Übersicht über Wohnorte, Beschäftigungen und bereits beantragte oder laufende Leistungen beider Elternteile. Dazu gehören der aktuelle Aufenthaltstitel mit Gültigkeitsdauer, Einkommens- und Arbeitgebernachweise aus jedem beteiligten Land, sowie Bescheide ausländischer Familienkassen. Die folgende Tabelle zeigt, welche der vier Fragen für welche Konstellation typischerweise den Ausschlag gibt.
| Konstellation | Zentrale Frage | Wo geprüft wird |
|---|---|---|
| EU-Bürgerin/EU-Bürger, Wohnsitz Deutschland | Freizügigkeit statt Aufenthaltstitel | § 1 Abs. 1 BEEG |
| Drittstaatsangehörige ohne Freizügigkeit | Welcher Aufenthaltstitel liegt vor? | § 1 Abs. 7 BEEG |
| Eltern arbeiten in zwei EU-Staaten | Wer zahlt vorrangig, wer den Unterschiedsbetrag? | Art. 68 VO (EG) 883/2004 |
| Entsendung, Sabbatical, Auslandsstudium | Bleibt der deutsche Anspruch bestehen? | § 1 Abs. 2 BEEG |
| Einkommen oder Leistungen aus dem Ausland | Steuerpflicht in Deutschland, Anrechnung | § 2, § 3 BEEG |
Welche Elterngeldstelle deinen Antrag am Ende bearbeitet, richtet sich nach deinem Wohnort in Deutschland; wie du sie findest, steht in Zuständige Elterngeldstelle finden: So ermittelst du die richtige Behörde. Welche Unterlagen sie grundsätzlich von jeder Antragstellerin verlangt, unabhängig von der internationalen Konstellation, listet Elterngeld Unterlagen: Die Checkliste für deinen Antrag.


