Zum Hauptinhalt springenDirekt zum HauptinhaltGute Nachricht14 Monate Elterngeld bleiben

Ausländisches Einkommen beim Elterngeld: Was zählt und was nicht

Fürs Elterngeld zählt nur Einkommen, das in Deutschland zu versteuern ist – unabhängig davon, in welchem Land du gearbeitet hast. Ist dein Auslandsgehalt per Doppelbesteuerungsabkommen von der deutschen Steuer freigestellt, fließt es nicht in die Berechnung ein. Vergleichbare ausländische Familienleistungen werden dagegen meist auf das deutsche Elterngeld angerechnet.

Stand September 20269 Min. Lesezeit6 amtliche Quellen

Eine Familie spielt gemeinsam im Wohnzimmer
International
Inhalt8 Abschnitte
  1. Zählt ausländisches Einkommen für das Elterngeld?
  2. Wie weist du ausländisches nichtselbstständiges Einkommen nach?
  3. Wie wird ausländisches selbstständiges Einkommen berücksichtigt?
  4. Werden ausländische Familienleistungen aufs Elterngeld angerechnet?
  5. Was gehört in den Antrag, wenn du im Ausland gearbeitet hast?
  6. Was jetzt zu tun ist
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen und Stand

Jonas hat vor der Geburt seiner Tochter zwei Jahre für eine Schweizer Firma in Basel gearbeitet, wohnhaft war er die ganze Zeit über in Deutschland. Sein Schweizer Gehaltszettel weist einen ordentlichen Nettobetrag aus, doch als er den Elterngeldantrag ausfüllt, merkt er: Was auf dem Zettel steht, ist nicht das, was zählt. Für das deutsche Elterngeld kommt es nicht darauf an, wo du gearbeitet hast, sondern ob dieses Einkommen in Deutschland zu versteuern war.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elterngeld berücksichtigt nur Einkommen, das nach § 2 Abs. 1 BEEG im Inland zu versteuern ist, unabhängig vom Land der Beschäftigung.
  • Ist dein Auslandsgehalt per Doppelbesteuerungsabkommen von der deutschen Steuer freigestellt, zählt es nicht für die Elterngeldberechnung, auch wenn es dein tatsächliches Einkommen war.
  • Vergleichbare ausländische Eltern- oder Mutterschaftsleistungen werden auf das deutsche Elterngeld angerechnet (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 BEEG), und zwar ohne den sonst üblichen 300-Euro-Freibetrag.
  • Stellst du keinen Antrag auf eine mögliche ausländische Leistung, ruht dein deutscher Anspruch trotzdem in deren Höhe (§ 3 Abs. 3 BEEG).
  • Bei selbstständiger Arbeit im Ausland ist grundsätzlich der deutsche Einkommensteuerbescheid maßgeblich (§ 2d BEEG), nicht die ausländische Gewinnermittlung.
  • Wohnst oder arbeitest du mit deinem Kind über mehrere Staaten verteilt, kommen zusätzlich EU-Prioritätsregeln für Familienleistungen ins Spiel.

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Zählt ausländisches Einkommen für das Elterngeld?#

Ausländisches Einkommen zählt für das Elterngeld nur, wenn es nach deutschem Steuerrecht im Inland zu versteuern ist. § 2 Abs. 1 BEEG rechnet ausdrücklich nur die positiven Einkünfte aus nichtselbstständiger oder selbstständiger Arbeit ein, „die im Inland zu versteuern sind“. Wo der Arbeitgeber sitzt, wo du gearbeitet hast oder welche Staatsangehörigkeit du hast, spielt für diese Weiche keine Rolle.

Das ist keine Formalität. Wer in Deutschland wohnt, ist mit seinem gesamten Welteinkommen grundsätzlich unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Ob ein konkretes Auslandsgehalt trotzdem tatsächlich in Deutschland besteuert wird, entscheidet das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und dem Tätigkeitsstaat. Viele DBA stellen Erwerbseinkommen aus dem anderen Staat von der deutschen Steuer frei und lassen es nur über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz für das übrige Einkommen erhöhen (§ 32b EStG). Was davon abgesehen grundsätzlich als Einkommen für das Elterngeld zählt, erklärt der Artikel Welches Einkommen zählt für das Elterngeld?. Genau dieses freigestellte Einkommen ist dann nicht „im Inland zu versteuern“ im Sinne des § 2 Abs. 1 BEEG und fließt nicht in die Elterngeldberechnung ein, selbst wenn es real auf dem Konto lag.

Andere DBA arbeiten mit der Anrechnungsmethode: Das Auslandseinkommen bleibt in Deutschland steuerpflichtig, die im Ausland gezahlte Steuer wird nur auf die deutsche Steuerschuld angerechnet. In diesem Fall ist das Einkommen weiterhin in Deutschland zu versteuern und zählt grundsätzlich für das Elterngeld. Welche Methode gilt, steht im jeweiligen Abkommen und hängt von der Einkunftsart und dem Tätigkeitsstaat ab; eine pauschale Regel „EU zählt, Drittstaat zählt nicht“ gibt es nicht.

Wie weist du ausländisches nichtselbstständiges Einkommen nach?#

Für angestellte Arbeit legst du die Lohn- und Gehaltsbescheinigungen für die maßgeblichen Monate im Bemessungszeitraum vor, genau wie bei einem deutschen Arbeitgeber (§ 2c Abs. 2 BEEG). Bei einem ausländischen Arbeitgeber heißt das in der Praxis: eine Bescheinigung, die Bruttolohn, Zeitraum und möglichst die einbehaltenen Abzüge zeigt, plus eine Erklärung oder einen Nachweis, wie das Einkommen steuerlich behandelt wurde. Die Elterngeldstelle unterstellt bei deutschen Bescheinigungen die Richtigkeit und Vollständigkeit; bei ausländischen Unterlagen prüft sie genauer, weil ihr die lohnsteuerlichen Standardfelder fehlen, an denen sie sich sonst orientiert.

Eine Randregel für Grenzfälle: Wohnt die berechtigte Person im Ausland und darf dieser Staat nach einem DBA das deutsche Elterngeld selbst besteuern, entfällt beim deutschen Einkommen ausnahmsweise der anteilige Arbeitnehmer-Pauschbetrag – es sei denn, das Elterngeld bleibt dort steuerfrei, dann wird er wie üblich abgezogen (§ 2c Abs. 4 BEEG). Das betrifft vor allem Personen, die nach § 1 Abs. 2 BEEG trotz Auslandswohnsitz anspruchsberechtigt bleiben, etwa vorübergehend ins Ausland entsandte Beschäftigte.

Wie wird ausländisches selbstständiges Einkommen berücksichtigt?#

Bei Gewinneinkünften aus dem Ausland ist grundsätzlich der deutsche Einkommensteuerbescheid maßgeblich, nicht eine ausländische Steuererklärung. § 2d Abs. 2 BEEG stellt auf die im deutschen Einkommensteuerbescheid ausgewiesenen Gewinne ab. Wurde für den maßgeblichen Zeitraum kein deutscher Bescheid erstellt, etwa weil die Tätigkeit im Ausland lief und nicht steuerpflichtig war, ermittelt die Elterngeldstelle den Gewinn ersatzweise über eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG mit pauschal 25 % Betriebsausgaben oder, auf Antrag, den tatsächlichen Betriebsausgaben (§ 2d Abs. 3 BEEG).

Das führt zu dem gleichen Grundsatz wie bei angestellter Arbeit: Nur was in Deutschland steuerlich erfasst ist oder erfasst würde, wird zur Bemessungsgrundlage. Wer im Ausland selbstständig war und dort komplett versteuert hat, ohne dass die Einkünfte in eine deutsche Veranlagung eingeflossen sind, sollte vor der Antragstellung klären, welche Nachweise die zuständige Elterngeldstelle für die Ersatzermittlung verlangt.

Jonas: Schweizer Gehalt und deutsche SteuerpflichtVereinfachtes Beispiel
Wohnsitz während der Tätigkeit
Deutschland
Bruttogehalt in der Schweiz, Monatsdurchschnitt
6.500 CHF
Steuerliche Behandlung laut DBA Schweiz
in Deutschland zu versteuern, Schweizer Steuer wird angerechnet
Für die Elterngeldberechnung zählt
Ja, als Einkommen aus nichtselbstständiger Erwerbstätigkeit
Bemessungsgrundlagedas nach §§ 2c, 2e, 2f BEEG ermittelte deutsche Nettoeinkommen

Vereinfachtes Beispiel. Annahmen: Jonas ist in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, das Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz weist für seine Tätigkeit die Anrechnungsmethode zu, sein Gehalt bleibt also in Deutschland steuerpflichtig. Wäre stattdessen die Freistellungsmethode einschlägig gewesen, hätte sein Schweizer Gehalt nicht in die Berechnung eingerechnet werden dürfen. Sein tatsächlicher Elterngeldbetrag hängt von der genauen Steuerklasse und den Abzugsmerkmalen aus § 2e und § 2f BEEG ab.

Werden ausländische Familienleistungen aufs Elterngeld angerechnet?#

Ja, vergleichbare ausländische Eltern- oder Mutterschaftsleistungen werden grundsätzlich auf das deutsche Elterngeld angerechnet. § 3 Abs. 1 Nr. 3 BEEG nennt ausdrücklich Leistungen außerhalb Deutschlands oder gegenüber einer über- oder zwischenstaatlichen Einrichtung, die dem Elterngeld oder Mutterschaftsleistungen vergleichbar sind. Ob eine konkrete ausländische Leistung darunterfällt, hängt von ihrem Zweck und ihrer Ausgestaltung ab, nicht von ihrem Namen im jeweiligen Land.

Zwei Punkte werden dabei häufig übersehen. Erstens gilt der sonst übliche Freibetrag von 300 Euro hier ausdrücklich nicht: § 3 Abs. 2 BEEG befreit das Elterngeld bis 300 Euro von der Anrechnung, „soweit nicht Einnahmen nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 3“ angerechnet werden – und Nummer 3 ist genau diese vergleichbare ausländische Leistung. Sie wird also von der ersten Anrechnungseinheit an gegengerechnet, anders als etwa Elterngeld für ein älteres Kind.

Zweitens ruht der deutsche Anspruch schon dann, wenn du die mögliche ausländische Leistung gar nicht beantragst. § 3 Abs. 3 BEEG lässt den Anspruch auf deutsches Elterngeld bis zur möglichen Höhe der vergleichbaren Leistung ruhen, solange kein Antrag darauf gestellt wurde. Wer also glaubt, durch Nichtstun im Ausland das ungekürzte deutsche Elterngeld zu sichern, verliert stattdessen einen Teil davon ohne Gegenwert.

Ausländische Leistung Wirkung aufs deutsche Elterngeld
Vergleichbare Eltern- oder Mutterschaftsleistung, beantragt und bezogen Wird angerechnet, ohne 300-Euro-Freibetrag (§ 3 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 BEEG)
Vergleichbare Leistung, die möglich wäre, aber nicht beantragt Deutscher Anspruch ruht bis zur möglichen Höhe (§ 3 Abs. 3 BEEG)
Elterngeld oder vergleichbare Leistung für ein älteres Kind Wird angerechnet, mit 300-Euro-Freibetrag und Zwölftel-Minderung pro Bezugsmonat im Bemessungszeitraum (§ 3 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 BEEG)

Was gehört in den Antrag, wenn du im Ausland gearbeitet hast?#

Gib bei der Elterngeldstelle von Anfang an vollständig an, in welchen Staaten du im Bemessungszeitraum gearbeitet hast, welche Einkünfte dort und in Deutschland steuerlich erfasst wurden und ob du im Ausland eine Eltern-, Mutterschafts- oder vergleichbare Familienleistung beantragt hast oder beanspruchen kannst. Lege dazu, je nach Fall, Lohn- und Gehaltsbescheinigungen, den deutschen Einkommensteuerbescheid, Nachweise über die Beschäftigung und Bescheide ausländischer Stellen vor.

Welche Dokumente in welcher Form ausreichen, entscheidet die zuständige Elterngeldstelle im Einzelfall; sie ist auch die Stelle, die verbindlich klärt, ob dein konkretes Auslandseinkommen zählt. Wichtig ist die Reihenfolge: Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate vor Eingang des Antrags gezahlt (§ 7 Abs. 1 BEEG). Wer erst eine informelle Klärung im Ausland abwartet und dann erst den deutschen Antrag stellt, riskiert genau diese Monate.

Wohnst du mit deinem Kind oder deinem Partner beziehungsweise deiner Partnerin über mehrere Staaten verteilt, kommt zusätzlich die EU-Koordinierung für Familienleistungen ins Spiel; das ist ein eigenes Regelwerk mit eigenen Prioritätsregeln, das der Artikel zu Elterngeld bei grenzüberschreitender Beschäftigung behandelt. Für die Frage, ob deine Staatsangehörigkeit oder dein Aufenthaltsstatus überhaupt anspruchsberechtigt, gilt der Artikel zu Elterngeld für EU-Bürger.

Was jetzt zu tun ist#

  1. Kläre zuerst die Steuerpflicht: Prüfe anhand des Doppelbesteuerungsabkommens mit dem Tätigkeitsstaat, ob dein Auslandseinkommen in Deutschland zu versteuern ist oder nur dem Progressionsvorbehalt unterliegt.
  2. Sammle Nachweise aus beiden Ländern: Lohn- und Gehaltsbescheinigungen oder Gewinnermittlung, dazu den deutschen Steuerbescheid, sobald er vorliegt.
  3. Kläre ausländische Familienleistungen vor dem deutschen Antrag: Beantrage jede mögliche vergleichbare Leistung im Ausland, sonst ruht dein deutscher Anspruch trotzdem in deren Höhe.
  4. Stelle den deutschen Antrag rechtzeitig: Die Drei-Monats-Frist für die rückwirkende Zahlung läuft unabhängig vom Stand der ausländischen Klärung.
  5. Lass die Einordnung von der Elterngeldstelle bestätigen, bevor du mit einem festen Betrag planst; ein vorläufiger Bescheid ist kein endgültiger.

Die Elterngeldstelle berät dich dazu kostenlos und entscheidet am Ende verbindlich, welches Einkommen zählt und wie eine ausländische Leistung angerechnet wird; wir sind keine Behörde, sondern rechnen als private Beratung deinen Fall vorab durch, damit du mit realistischen Zahlen in den Antrag gehst.

Häufige Fragen

Zählt mein Gehalt aus einem EU-Land automatisch fürs Elterngeld?

Nein. Entscheidend ist nicht das Herkunftsland des Gehalts, sondern ob es nach deutschem Steuerrecht im Inland zu versteuern ist (§ 2 Abs. 1 BEEG). Das hängt vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen und deiner Ansässigkeit ab, nicht davon, ob das Land in der EU liegt.

Was ist, wenn ich in zwei Ländern gearbeitet habe?

Dann prüft die Elterngeldstelle jeden Verdienst einzeln danach, ob er im Bemessungszeitraum in Deutschland zu versteuern war. Es kann sein, dass ein Teil deines Einkommens zählt und ein anderer nicht. Reiche für jedes Land eigene Nachweise ein.

Muss ich eine ausländische Elterngeld-ähnliche Leistung überhaupt beantragen?

Wenn du sie beanspruchen könntest, lohnt sich der Antrag fast immer: Stellst du ihn nicht, ruht dein deutscher Anspruch trotzdem in Höhe der möglichen ausländischen Leistung (§ 3 Abs. 3 BEEG) – du bekommst dann weder das eine noch das andere in voller Höhe.

Gilt der Freibetrag von 300 Euro auch für ausländische Familienleistungen?

Nein. Der Anrechnungsfreibetrag nach § 3 Abs. 2 BEEG gilt ausdrücklich nicht für Mutterschaftsleistungen, Dienstbezüge und vergleichbare ausländische Leistungen. Eine ausländische Eltern- oder Mutterschaftsleistung wird deshalb von der ersten Euro an auf das Elterngeld angerechnet.

Wirkt sich ein ausländischer Steuerbescheid genauso aus wie ein deutscher?

Nur für den Teil, der auch nach deutschem Recht zu versteuern ist. Für selbstständige Gewinneinkünfte verlangt § 2d BEEG grundsätzlich den deutschen Einkommensteuerbescheid; ohne ihn ermittelt die Elterngeldstelle den Gewinn nach den Ersatzregeln des § 2d Abs. 3 BEEG.

Wo finde ich Regeln zu Ansprüchen in mehreren EU-Staaten gleichzeitig?

Wenn Eltern oder Kind in unterschiedlichen Staaten wohnen oder arbeiten, greifen zusätzlich die EU-Prioritätsregeln für Familienleistungen. Das behandelt der Artikel zu Elterngeld bei grenzüberschreitender Beschäftigung.

Quellen und Stand

Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.

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