Inhalt8 Abschnitte
- Ist der Steuerberater der richtige Ansprechpartner fürs Elterngeld?
- Was macht eigentlich den Unterschied beim Elterngeld optimieren?
- Wann ist ein Anwalt der richtige Ansprechpartner?
- Steuerberater, Anwalt oder Elterngeldberatung: ein Vergleich
- Was die Elterngeldstelle selbst leistet – und was nicht
- Was jetzt zu tun ist
- Häufige Fragen
- Quellen und Stand
Jonas ist selbstständiger Grafikdesigner und hat nebenbei einen kleinen Teilzeitjob. Seine erste Idee vor der Geburt seiner Tochter: den Steuerberater fragen, der seit Jahren seine Buchhaltung macht. Der kennt doch seine Zahlen. Auf die Frage, welcher Zeitraum als Bemessungszeitraum für sein Elterngeld zählt, zuckt der aber nur mit den Schultern – das ist nicht sein Fachgebiet. Genau diese Verwechslung passiert oft, und sie kann teuer werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Steuerberater ist nach § 33 Steuerberatungsgesetz für Steuersachen zuständig: Steuererklärung, Buchführung, Steuerklassenwahl.
- Der Bemessungszeitraum (§ 2b BEEG), also welche Monate vor der Geburt als Einkommen zählen, ist eine Regel des Elterngeldrechts, keine Steuerfrage.
- Ein Fachanwalt für Sozialrecht wird relevant, wenn du gegen einen Bescheid der Elterngeldstelle vorgehst, nicht für die Planung davor.
- Eine spezialisierte Elterngeldberatung rechnet ausschließlich mit den BEEG-Regeln: Bemessungszeitraum, Kombination der Varianten, vollständige Nachweise.
- Die Elterngeldstelle berät kostenlos zu deinem Antrag, entscheidet aber auch darüber und rechnet dir aus Neutralitätsgründen keine Varianten gegeneinander vor.
Was heißt das für deine Familie? Wir klären es in 15 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch buchenIst der Steuerberater der richtige Ansprechpartner fürs Elterngeld?#
Für den Kern des Elterngeldantrags meist nicht. Nach § 33 Steuerberatungsgesetz haben Steuerberaterinnen und Steuerberater den gesetzlichen Auftrag, ihre Mandantinnen und Mandanten „in Steuersachen zu beraten“, bei Steuererklärungen zu helfen und steuerliche Pflichten zu erfüllen. Elterngeld ist aber eine Familienleistung nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG), keine Steuersache: Die zuständige Behörde ist die Elterngeldstelle, nicht das Finanzamt.
Zwei Punkte am Elterngeld sind trotzdem echte Steuerfragen, und dort ist ein Steuerberater tatsächlich richtig: die Wahl der Steuerklasse als eines von mehreren Abzugsmerkmalen (§ 2c und § 2e BEEG, erklärt in unserem Artikel zur Steuerklasse und Elterngeld), und der Progressionsvorbehalt: Elterngeld selbst ist steuerfrei, erhöht aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen und macht eine Steuererklärung zur Pflicht. Wie das funktioniert, steht in unserem Artikel zum Progressionsvorbehalt beim Elterngeld.
Alles andere am Elterngeld ist nach § 5 Rechtsdienstleistungsgesetz allenfalls eine Nebenleistung zur eigentlichen Steuerberatung, kein Kerngeschäft. Deshalb ist es kein Vorwurf an deinen Steuerberater, wenn er beim Bemessungszeitraum passt – es ist schlicht nicht sein Fachgebiet, und er begegnet der Frage vielleicht einmal im Jahr bei einer Mandantin, während eine spezialisierte Beratung sie jede Woche mehrfach durchrechnet.
Was macht eigentlich den Unterschied beim Elterngeld optimieren?#
„Elterngeld optimieren“ heißt nicht, mehr Geld zu erfinden, sondern die Stellschrauben zu nutzen, die das BEEG selbst vorsieht, bevor eine Frist verstreicht. Die wichtigste davon ist der Bemessungszeitraum: Er legt fest, welche zwölf Monate vor der Geburt als Einkommen vor der Geburt zählen (§ 2b Abs. 1 BEEG) – und damit die Grundlage für die gesamte Berechnung nach § 2 BEEG.
Bestimmte Monate fallen dabei automatisch heraus, etwa Monate mit Mutterschutz oder mit Elterngeldbezug für ein älteres Kind, und werden durch frühere Monate ersetzt (§ 2b Abs. 1 Satz 2 BEEG). Wer selbstständige und angestellte Einkünfte gleichzeitig hat, rechnet nach einem eigenen Zeitraum, dazu mehr in unserem Artikel zu Elterngeld bei Mischeinkünften. Welche Monate im Einzelfall zählen, ist reines BEEG-Recht und hat mit der Steuererklärung nichts zu tun.
Die zweite Stellschraube ist die Kombination aus Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus: Wie viele Monate von welcher Variante, für wen, ab wann – das entscheidet über den Gesamtbetrag über die ganze Bezugszeit, nicht nur über einen einzelnen Monat. Die vollständige Übersicht der legalen Stellschrauben und ihrer Fristen findest du in unserem Grundlagenartikel zum Elterngeld optimieren.
Wann ist ein Anwalt der richtige Ansprechpartner?#
Ein Fachanwalt für Sozialrecht wird relevant, sobald es um einen Bescheid geht, mit dem du nicht einverstanden bist: eine Ablehnung, eine aus deiner Sicht zu niedrige Berechnung, oder eine Rückforderung nach einer vorläufigen Zahlung. Dann geht es um Widerspruch und im nächsten Schritt um eine Klage vor dem Sozialgericht, und das ist echte Rechtsvertretung.
Für die Planung vor der Geburt – welcher Zeitraum zählt, welche Kombination sich lohnt, welche Nachweise die Elterngeldstelle sehen will – ist ein Anwalt selten die passende und meist auch nicht die günstigste Anlaufstelle. Anwaltliche Beratung wird nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abgerechnet und lohnt sich vor allem dort, wo tatsächlich ein Streit droht, nicht bei einer Berechnung, die auch ohne Konflikt gelöst werden kann.
- Einkünfte aus Anstellung (Teilzeit)
- monatlich schwankend
- Einkünfte aus Selbstständigkeit
- monatlich schwankend
- Maßgeblicher Bemessungszeitraum
- letzter abgeschlossener Veranlagungszeitraum vor der Geburt
Vereinfachtes Beispiel. Weil Jonas gleichzeitig selbstständig und angestellt ist, zählt für beide Einkommensarten grundsätzlich der Bemessungszeitraum für Selbstständige: das letzte abgeschlossene Steuerjahr vor der Geburt (§ 2b Abs. 3 BEEG). Das gilt unabhängig davon, welche Einkunftsart höher ist. Sein Steuerberater kennt seine Gewinnermittlung, aber ob dieser Zeitraum für sein Elterngeld überhaupt der richtige ist oder ob ein Antrag auf die 35-Euro-Ausnahme nach § 2b Abs. 4 BEEG infrage kommt, ist eine Frage des BEEG.
Steuerberater, Anwalt oder Elterngeldberatung: ein Vergleich#
| Anlass | Steuerberater | Fachanwalt für Sozialrecht | Spezialisierte Elterngeldberatung |
|---|---|---|---|
| Steuerklassenwahl vor der Geburt | Ja, sein Fachgebiet | Nicht sein Fachgebiet | Ordnet sie in die Gesamtrechnung ein |
| Bemessungszeitraum nach § 2b BEEG festlegen | Meist Randthema | Nicht sein Fachgebiet | Tägliches Geschäft |
| Basiselterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus kombinieren | Nicht sein Fachgebiet | Nicht sein Fachgebiet | Tägliches Geschäft |
| Steuererklärung nach Elterngeldbezug, Progressionsvorbehalt | Ja, sein Fachgebiet | Nicht sein Fachgebiet | Nicht ihr Fachgebiet |
| Widerspruch oder Klage gegen einen Bescheid | Nicht sein Fachgebiet | Ja, sein Fachgebiet | Nicht ihr Fachgebiet |
Was die Elterngeldstelle selbst leistet – und was nicht#
Die Elterngeldstelle beantwortet Fragen zu deinem Antrag kostenlos und entscheidet am Ende auch darüber. Genau deshalb rechnet sie dir aus Neutralitätsgründen keine Varianten gegeneinander vor: Sie sagt dir, was du einreichen musst, aber nicht, ob sich für deine Familie eher zwei zusätzliche ElterngeldPlus-Monate oder ein anderer Bemessungszeitraum lohnt. Das ist der Punkt, an dem eine private Beratung ansetzt, ohne die Elterngeldstelle zu ersetzen: Sie bleibt die einzige Stelle, die verbindlich entscheidet.
Wie sich kostenlose Beratung bei der Behörde und eine private Elterngeldberatung sonst noch unterscheiden, erklären wir ausführlich in Kostenlose oder private Elterngeldberatung. Willst du den Antrag nicht selbst ausfüllen, übernimmt das unser Antragsservice, beschrieben in Elterngeld-Antrag ausfüllen lassen.
Was jetzt zu tun ist#
- Kläre zuerst, um welche Frage es geht: Steuerklasse oder Steuererklärung gehören zum Steuerberater, ein Bescheid, gegen den du vorgehen willst, zum Fachanwalt für Sozialrecht.
- Sammle deine Einkommensnachweise der letzten zwölf Monate vor der Geburt, bei Selbstständigkeit die letzten abgeschlossenen Steuerbescheide, denn davon hängt der Bemessungszeitraum ab.
- Lass den Bemessungszeitraum und die Kombination der Elterngeldvarianten vor dem Antrag durchrechnen, nicht erst, wenn der Bescheid schon da ist.
- Nutze das kostenlose Erstgespräch, um zu klären, ob sich eine vollständige Berechnung für deinen Fall überhaupt lohnt.
Häufige Fragen
Kann mein Steuerberater mir beim Elterngeldantrag helfen?
Er darf, wenn es um die steuerliche Seite geht, etwa die Steuerklassenwahl oder die Steuererklärung nach dem Elterngeldbezug wegen des Progressionsvorbehalts. Die Wahl des Bemessungszeitraums nach § 2b BEEG, die Kombination der Elterngeldvarianten und das Ausfüllen des Antrags gehören nicht zu seinem gesetzlichen Auftrag nach § 33 Steuerberatungsgesetz und meist auch nicht zu seiner täglichen Praxis.
Wann brauche ich einen Anwalt fürs Elterngeld?
Wenn die Elterngeldstelle deinen Antrag ablehnt oder einen Betrag festsetzt, den du für falsch hältst, und du Widerspruch oder Klage erwägst. Für die Planung vor der Geburt, also welche Monate als Bemessungszeitraum zählen oder wie du Basiselterngeld und ElterngeldPlus kombinierst, ist ein Anwalt in der Regel nicht die passende und günstigste Anlaufstelle.
Was macht eine spezialisierte Elterngeldberatung anders als ein Steuerberater?
Sie rechnet ausschließlich mit den Regeln des BEEG: welcher Zeitraum vor der Geburt als Einkommen zählt, wie sich Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus kombinieren, und welche Nachweise die Elterngeldstelle verlangt. Das ist ihr tägliches Geschäft, während es beim Steuerberater ein Randthema neben Steuererklärungen und Buchführung ist.
Ist die Wahl der Steuerklasse dasselbe wie Elterngeld optimieren?
Nein, sie ist nur ein Baustein davon. Die Steuerklasse beeinflusst als Abzugsmerkmal nach § 2c und § 2e BEEG die Höhe der pauschalen Steuerabzüge im Elterngeld-Netto. Der Bemessungszeitraum, die Kombination der Elterngeldvarianten und die vollständigen Nachweise wirken zusätzlich und unabhängig davon.
Was kostet eine spezialisierte Elterngeldberatung?
Bei uns 129 € für die Beratung, in der wir deinen Fall durchrechnen. Ein Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Willst du den Antrag komplett abgeben, kostet der Antragsservice 219 €.
Ist die Beratung bei der Elterngeldstelle nicht kostenlos?
Doch, die Elterngeldstelle berät kostenlos zu deinem Antrag. Sie entscheidet aber auch über ihn und rechnet dir aus Neutralitätsgründen keine Varianten vor, welche Kombination für deine Familie am meisten bringt. Das ist der Unterschied zu einer privaten Beratung.
Quellen und Stand
Stand 23. September 2026. Über deinen Antrag entscheidet immer die zuständige Elterngeldstelle.
- § 33 Steuerberatungsgesetz: Inhalt der Tätigkeit – Gesetze im Internet
- § 5 Rechtsdienstleistungsgesetz: Erlaubte Rechtsdienstleistungen im Zusammenhang mit einer anderen Tätigkeit – Gesetze im Internet
- § 2b BEEG: Bemessungszeitraum – Gesetze im Internet
- § 2 BEEG: Höhe des Elterngeldes – Gesetze im Internet


